Samstag, 7. März 2009

An die Frauen

Liebe Freundinnen,

heute morgen in der Schule hatte ich Unterricht in einer 12.Klasse der touristischen Fachschule. Sie glauben nicht, was da auf dem Lehrerpult lag, mit der Anschrift:
"An die Frauen" Hier die Übersetzung der Poesie meines Schülers Matteo Fuso, 18 Jahre aus Sannicola bei Gallipoli:

"Die Frauen"
Die Frauen sind unser Kreuz und sie sind die einzige Kur für unsere Schmerzen.
Sie sind der erste Gedanke bei unserem Aufwachen und der letzte,der uns in den Traum wiegt.
Die Frauen sind unser Wunsch und sie sind es, die uns zu Männern machen.
Ihretwegen stellen wir uns Monstern und feuerspeienden Drachen.
Und wir verzweifeln, wenn sie sie uns vorziehen.
Die Frauan kurieren unsere Wunden.
Sie folgen uns und die unterstützen uns.
Sie vertrauen uns, wenn alle uns den Rücken kehren.
Ohne sie wären wir nichts.
Die Frauen sind Schönheit und Inspiration...
Süsser Fluch...die Frauen...die andere Hälfte unseres Herzens...die Frauen....Freundinnen. Objekt unserer Liebe
Herzlichen Glückwunsch zum Frauentag, ihr Frauen.

Sag' noch einer, die Jugend sei nicht mehr poetisch.....
Ich habe Matteo um Erlaubnis gebeten, die Übersetzung posten zu dürfen....ich werden mich bemühen, seinen Link hier herein zu stellen.

Grazie Matteo. Im Namen aller!

Einen schönen 8. März, liebe Freundinnen!
Claudia

Montag, 16. Februar 2009

Frühling im Salento


März

Woran denken Sie, wenn Sie “MÄRZ“ hören? Also ich habe immer das schwäbische Volkslied: „im Märzen der Bauer die Rösser einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen instand….“ im Kopf. Ja, ich weiß, dass ich damit ein paar befremdete Blicke auf mich ziehe, aber ich kann nichts machen. Das Lied ist für mich der Inbegriff dessen, was „den Winter verabschieden und den Frühling begrüßen“ heißt.

Die salentinischen Bauern würden darüber lächeln. Ihre Arbeit auf den Feldern ruht eigentlich nie, außer vielleicht im Hochsommer. Schon im Januar werden Kartoffeln gesetzt. Im Oktober-November-Dezember werden Oliven geerntet und im Januar werden die Bäume gestutzt. Im hiesigen Dialekt sagt man dazu „mungere gli alberi“, also „die Bäume melken“. Wahrscheinlich rührt das daher, dass für die zweite Hälfte des laaaaangen salentinischen Winters noch mal so ordentlich Holz gemacht wird. Die typische Vorher-Nachher-Kur für die Bäume. Im November sind die Olivenbäume fast schwarz vor Oliven. Die Äste hängen schwer und tief von der Last ihrer reifen schwarzen Früchte. Dann, je nach Wind und Wetter, fallen sie auf den Boden und die Äste richten sich, von ihrer Last befreit, wieder auf. Man kann richtig sehen, wie sie die Äste wieder himmelwärts strecken. Man meint, sie schütteln sich und sagen: „Das wäre wieder einmal geschafft“ und strecken ihre Rücken wieder senkrecht. Dann ist für sie erst einmal Vegetationspause. Und dann kommt, im „tiefen“ salentinischen Winter, der „Munnatore“, der Melker. Er setzt die Säge an und befreit die alten knorrigen Gesellen von ihren Wildwüchsen und anderen Ästen. Ich habe noch nicht so genau verstanden, mit welchem Kriterium geschnitten und gesägt wird, aber grob gesagt, was aus der Reihe tanzt, muss runter. Heute nimmt man dazu natürlich eine Kreissäge, wenn sich’s lohnt, aber die meisten Äste sind nicht so dick, als dass man sie nicht auch von Hand heruntersägen könnte. Wenn ich so darüber nachdenke….wir haben uns bisher noch nicht zugetraut, selbst Hand an zu legen. Das heißt, halt, doch, einmal: Ganz am Anfang, vor – na, dass ist jetzt auch schon 10 Jahre her: Da bin ich in meinem jugendlichen Leichtsinn auf den Baum geklettert und hab’ angefangen zu sägen. Bis ich hinter mir einen Bauer brüllen hörte:
„Aufhören! Das kann ja kein Christ (echt, er sagte „CHRIST“) mit ansehen, was du da aus dem Baum machst…“ Seitdem hab’ ich mich nur noch mit der Gartenschere an meine unwichtigen Zierpflanzen gewagt. Da hat auch nie einer gebrüllt….Zierpflanzen ist hier was für Weiber und Weicheier. Naja, wenn Sie bedenken, dass die Nutzbepflanzung aller Art die Bevölkerung hierzulande sozusagen am Leben erhielt, ist das auch nicht so schwer zu verstehen. Selbstredend findet man jetzt in allen Gärten, Vorgärten, Villen und Stadthäusern auch wunderschön angelegte Gärten und Zierpflanzensammelsurien. Aber dem Bauern braucht keiner mit ‚ner Blume zu kommen, die man nicht essen kann. Das ist Schnickschnack und dafür würde er sein kostbares Wasser nie verschwenden. Worauf ich hinaus wollte: Die Kunst, Olivenbäume zu beschneiden, lernt man wohl von Generation zu Generation. Die Bauern machen darum einen Riesenwirbel, so als bräuchte man weiss-gott-wieviel Erfahrung….Dabei liegt meines Erachtens das Geheimnis darin, die Äste so zu trimmen, dass man es im nächsten Herbst bei der nächsten Ernte leichter mit dem Ernten hat. Die Olivenernte ist in allen Regionen Italiens unterschiedlich. >Aber da greife ich wieder vor….davon im Herbst mehr.

Ich schweife wieder einmal vollkommen vom Thema ab: Wir waren beim Frühling. Bitte verfallen Sie nicht dem Irrtum, den salentinischen Frühling mit der Mandelblüte in Verbindung zu bringen. Was die Reiseveranstalter da immer von sich geben, ist eigentlich unkorrekt. Die Mandelblüten sind Vorboten des Frühlings mitten im salentinischen Winter. Sie gehören zum Februar. Wenn sie ausblühen, dann strecken die Mimosen im floralen Staffellauf ihr Kanariengelb in die Sonne. Die grauen und kühlen Märztage verblassen hinter dem grellen Zitronengelb ihrer Blüten, die in winzigen knallgelben Bällchen dichtgedrängt, so dass es wie eine einzige gelbe Blüte wirkt, am Baum hängen. Dann gibt es keinen Zweifel mehr, der Winter ist wieder einmal besiegt. Dann kann man im Salento beginnen, ins Ferienhaus am Meer zu fahren, um mal ordentlich durchzulüften, später im Monat werden dann ganze Putzheere am Meer gesichtet, die Matratzen werden vor die Tür in die Sonne gestellt, es wird Licht, Sonne und Wärme hineingelassen, in die ach zu lange Zeit verschlossen gehaltenen Ferienhäuser. Diese Reinigungsaktionen, der typische Frühjahrsputz, konzentriert sich natürlich auf die Tage vor Ostern oder der Karwoche. Denn an Ostermontag spätestens wird das Haus wieder mit Leben erfüllt sein, aber das ist eine andere Geschichte und gehört in den April.


Apropos April: Wie sagt man im Deutschen? April, April, der macht was er will. Die Italiener haben dasselbe Sprichwort für den März. Und nirgends trifft es so zu wie im Salento: „Marzo pazzarello, guarda il sole e prendi l’ombrello“. “Verrückter März, du siehst die Sonne und nimmst den Regenschirm.”


Die Großwetterlage sieht für den Frühlingsanfang häufig Stürme vor. Und dann sollte man eigentlich nicht arbeiten müssen……Es ist herrlich, am Strand entlang zu wandern und sich den kräftigen Wind um die Nase wehen zu lassen…Oder danach…wenn sich der Sturm gelegt hat, Strandgut sammeln gehen. Was man nicht alles findet am Strand……wir sind immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Baumstämmen oder Ästen. Aber auch was sonst so angespült wird, ist manchmal interessant. Früher, bis in die 90iger Jahre, hat man regelmäßig ganze Kartons voller durchweichter Zigaretten gefunden. Schmuggelgut, das über Bord gegangen ist, wenn die Polizia di Finanza hinter den Schmuggelbooten her war. Das hat sich aber gegeben. Dafür finden wir jetzt Kleidung, die vielleicht von Flüchtlingen „clandestini“ stammt. Weniger aufregend, eher tragisch.


Anfang März begehen wir Frauen überall auf der Welt den 08. März, den internationalen Frauentag. Aber in Italien ist alles ein bisschen anders. Schon der Tag heißt in Italien anders: Festa della Donna. Das Frauenfest. Und an einem Tag, an dem überall auf der Welt für mehr Rechte der Frauen protestiert, demonstriert, konferiert wird, wird in Italien gefeiert. Was, das bleibt dahin gestellt. Wahrscheinlich, dass es uns gibt. Schon morgens gibt es am Arbeitsplatz und sogar in der Schule kleine Mimosensträußchen. Unzählige Bäume müssen dafür ihre blühenden Äste lassen. Die Herrenwelt beschenkt die Damenwelt, unabhängig welches Alter und Stellung. Abends laufen die Damen dann in Hochform auf. Sie solidarisieren sich (wehe, wenn sie losgelassen…) und schwärmen in Lokale, Restaurants und Diskotheken. Dort werden ihnen mehr oder weniger erotische Spektakel geboten: Männerstrip, Oben-Ohne-Bedienung (männlich) usw. Einmal im Jahr so richtig die Sau rauslassen, dazu wird der Frauentag – pardon, das Frauenfest in Italien benutzt. Ich geb’s zu, ich stehe dem Ganzen sehr kritisch, um nicht zu sagen feindlich gegenüber, schließlich stamme ich aus der Generation, die noch Mahnwachen für mehr Gleichberechtigung hielt. Aber das ist den Damen hier wurscht! Einen drauf machen, und zwar ordentlich! In den Lokalen herrscht bis Mitternacht Herrenverbot, bis auf die Protagonisten natürlich und frau ist unter sich. Dass sich einige Damen der Schöpfung der Politik fernab ihrer Realität daran erinnern, dass sie eigentlich für mehr Rechte der Frauen einstehen müssten, einige Reden halten und sich grüppchenweise versammeln, um das kundzutun….ist den Damen hier egal. Für sie hat sich in den letzten 30 Jahren so viel geändert, dass kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Die Situation der Mädchen und Frauen hat sich absolut angeglichen an die, Mitteleuropas. Ich denke, dass dies der Verdienst der vorangegangen Generationen von Frauen war, die das übertriebene Patriarchiat satt hatten. Denn....

Noch Anfang der 70ger Jahre war der Salento von den mitteleuropäischen Gepflogenheiten noch sehr weit entfernt. Die Mädchen wurden viel mehr kontrolliert, allein auszugehen, sich mit Freunden, der Clique oder gar dem Freund zu treffen, galt schon fast als Kaiserrebellion gegenüber den Eltern. Der Vater hielt mit eiserner Faust die schützende Hand über seine Töchter. Er war schließlich ein Mann und wusste genau, zu welchen Schandtaten die Herren der Schöpfung fähig waren. Wichtig war, die Tochter ehrenvoll unter die Haube zu bringen. Sie hätten mal versuchen sollen, ein offiziell verlobtes Pärchen in den 80iger Jahren alleine einzuladen. Nichts zu machen. Wäre fast ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Immer wäre ein kleiner Bruder, eine kleine Schwester, oder wenn nicht vorhanden, eine Tante dabei gewesen. Der so genannte Anstandswauwau. Sie lachen? Nein, glauben Sie mir, das war hier auf dem Land wirklich üblich! Es ging schließlich um den guten Ruf der Tochter. Glücklicherweise waren vor allem die jüngeren Geschwister leicht bestechlich und wurden auf eine oder mehrere Eistüten weggeschickt. Die hiesigen „Fidanzati“, die Verlobten, waren sehr einfallsreich, um doch ein bisschen alleine sein zu können. Das war eine Art Volkssport: „Tricks den Papa aus“.

Die 70iger-Jahre-Töchter wurden also geheiratet, oft war es der erste ernstzunehmende Freund, der mehr oder weniger gezwungenermaßen zum Ehemann wurde. Wenn herauskam, dass sich zwischen zwei jungen Leuten etwas anbahnte, stellte man Nachforschungen an, wer er oder sie war, ob sie ehetauglich waren (damit war die Aussteuer der Frau und möglichst eine Immobilie des Mannes gemeint). Dann wurde offiziell verlobt, d.h., man durfte zur Freundin nach Hause, man war offiziell registriert. Das führte meist zur Ehe, oft wussten die jungen Leute gar nicht so genau, wie ihnen geschah. Oder sie waren einverstanden, denn das war die einzige Möglichkeit, alleine zu sein, in Ruhe und ganz legal Sex zu haben und dem strengen Elternhaus endlich zu entfliehen. Leider stellte sich heraus, dass das die erste Wahl nicht immer „die erste Wahl“ war. Die Ehen waren zwar mit Kindersegen beschenkt, nicht immer aber mit lange währendem Eheglück. Wenn man nun bedenkt, dass Scheidung in ihrer heutigen Form erst seit 1975 möglich ist, kann man verstehen, dass die Scheidungsrate im Salento in den 70ger und 80ger Jahren nicht gerade hoch war. Das wäre zuviel Schande für die ganze Familie gewesen, die Kinder wären diskriminiert worden usw. Also hielt man nach außen den Schein aufrecht, aber in nicht wenigen salentinischen Ehen lebte man de facto getrennt von Tisch und Bett. Erst seit den 90iger Jahren sind vermehrt Geschiedene zu verzeichnen. Das Outing hat begonnen, steil ansteigende Bildung und abfallender Einfluss der katholischen Kirche unter den jungen Generationen führt dazu, dass die Scheidung hier kein Fremdwort mehr ist. Dennoch zeigt die Statistik, dass es im Süden Ehepartner über 45 sind, die die Scheidung wollen. Sie warten, bis die Kinder aus dem Haus, oder zumindest groß sind. Weiter geht aus den Statistiken hervor, dass es immer noch die Ehemänner sind, die hier im Süden die Scheidung anstreben. Das hat nichts damit zu tun, dass die Frauen eine glücklichere Ehe führen, sondern dass sie konkrete Existenzängste haben, denn immer noch ist es üblich, dass die Frau sich um Haus und Kinder sorgt, also ist sie „raus aus dem Beruf“, so sie je einen hatte, und zwar für lange Zeit. Ein weiterer Punkt ist, dass sich hier vermehrt gut gebildete Ehepartner trennen. Die wenig gebildeten stehen oft mehr unter kirchlichem, elterlichem, sozialen Einfluss und optieren für die herkömmliche Lösung: Jeder macht sein Ding, aber man bleibt offiziell zusammen. Das hat sicherlich auch mit den beschränkten finanziellen Möglichkeiten zu tun.

Eine weitere seltsame Art, ein Paar zu bilden, war, mit einander wegzulaufen und eine Nacht außerhalb des Elternhauses zu verbringen. Danach kehrte man zurück, ließ sich ein bisschen verprügeln und wurde, um die Ehre wieder herzustellen, umgehend und ohne lange Vorbereitungen vermählt. „…se ne so’ fusciuti“. War das Schlagwort. „Sie sind abgehauen“. Wie viele, vor allem sehr arme Ehen, wurden auf diese Weise im Laufe der letzten Jahrhunderte geschlossen….damit umging das junge Paar die Nachforschungen, bei denen sich herausgestellt hätte, dass er nichts hat und sie noch weniger. Da wäre die Verbindung verhindert worden. So aber, war’s egal. Der Ehre musste Genüge getan werden. Man weiß heute, dass viele Ehepaare diesen Weg wählten, um auch ihren Eltern Geldnot zu ersparen. Denn eine richtige Hochzeit auszurichten wäre für sie gar nicht möglich gewesen. Eine „Reparationshochzeit“ bestand aus der Trauung und wenn’s hoch kam einer Flasche Sekt! Selbst das weiße Brautkleid war glücklicherweise nicht mehr angebracht, man heiratete einfach im Sonntagsstaat.

Heute ist das alles anders. Die Ehen werden immer später geschlossen und wenn geheiratet wird, dann aber richtig. Davon aber mehr im Mai.


Der März ist für ein bestimmtes Fest charakteristisch. Die Italiener feiern am 19. März SAN GIUSEPPE, den Heiligen Josef. Damit stellt sich heraus, dass der Vatertag in Italien nicht am selben Tag wie in Deutschland gefeiert wird. Er wird, dem liturgischen Kalender folgend, eben am 19. März begangen.

In vielen Piazze der Dörfer und Städte im Salento werden an diesem Tag die „Tavole di San Giuseppe“, „die Tische des Heiligen Josefs“ hergerichtet. Die Tradition will, dass diese Tische von allen Bewohnern des Ortes reich beladen mit allen möglichen kulinarischen Köstlichkeiten aufwarten. Und früher wurden so die Armen einmal während der Fastenzeit zum opulenten Mahl gebeten. Die Armen wurden gespeist, so wie der Heilige Josef es sich auf der Wanderschaft für sich und seine entstehende Familie gewünscht hätte. Die Tische muten in ihrer Zahl ein bisschen kabbalistisch an, denn zu Tisch wurden immer nur 10 Personen gebeten, und 3 Plätze wurden mitgedeckt, aber freigelassen, denn die waren für die heilige Familie reserviert. Vor langer Zeit war es sogar üblich, dass 13 verschiedene Gerichte pro Tischgefährte serviert wurden, für jeden der 12 Apostel und Jesus eines.

Alles, was an diesem Tag auf den Tisch kommt, nennt sich „des heiligen Josefs“. Nicht, weil er ein exzellenter Koch war, dass ist uns nicht überliefert, sondern weil es speziell an diesem 19. März die Gaumen erfreute. So da sind: „la massa di San Giuseppe“ (Kutteln, Kichererbsen und Kohl), das San Giuseppe-Brot, verschiedene gekochte Blattgemüse, Süßes mit Honig und Semmelbröseln, Saubohnenpüree, Fisch mit Soße (frittierter Fisch mit Semmelbrösel und Essig), Lampascioni (eine hier heimische kleine, sehr bittere aber köstliche Zwiebelart), die omnipresenten, immer feinen Pittule und, dulcis in fundo: Zeppole! Kommen Sie ja nicht in den Salento und probieren Sie nicht die Zeppole. Jetzt muss ich dazusagen, dass ich ein besonders hartnäckiges Leckermaul bin, aber man darf den März nicht ohne wenigstens eines dieser süßen Stückchen herumbringen. Es handelt sich um eine Teigart wie den Berliner, aber mit einem großen Loch in der Mitte. Dieses ist voller Crema pasticciera (sagen Sie ja nicht "Pudding" dazu!!!!), besonders fiese Pasticcieri umgarnen das Ganze sogar mit einem kleine Kranz Sahne….die Teigstückchen sind frittiert, bevor die Crema hineingefüllt wird und mit Zucker und Puderzucker bestäubt. Ich hab’s noch nicht geschafft, so eine Zeppola zu essen, ohne dass man es mir danach ansieht, aber ich übe fleißig weiter!

Italiens WEISSE NäCHTE!

Ja, jetzt ist der Winter noch nicht sooooo lange vorbei, dass man bei „weiss“ nicht an Schnee denken könnte. Da sind Sie aber ganz auf dem Holzweg. Die weißen Nächte häufen sich, je wärmer es wird. Der Begriff stammt von einem geflügelten Wort „fare la notte in bianco“- „eine Nacht in Weiß verbringen“, d.h. nicht schlafen können.

Mit anderen Worten, viele kleinere und größere Gemeinden, nicht nur im Salento, sondern in ganz Italien haben sich auf die Fahnen geschrieben, Einheimische und Touristen glücklich zu machen, in dem sie ihnen eine „weiße Nacht“ bescheren. Sleepless in Lecce…Lecce schickt sich an, dieses Jahr schon die 2. weiße Nacht am 14. März zu begehen und sicherlich wird es auch im Sommer eine geben.

Die Veranstaltung „Notte bianca“ steht für ein gigantisches Straßenfest, dass obligatorisch bis in die Morgenstunden dauert und mit einem Cappuccino und Cornetto nach Morgengrauen endet.

Schon im Dezember gab es eine weisse Nacht in Lecce, sogar mit dem Special Event der kanadischen Truppe des Cirque du Soleil mitten auf der Piazza Sant’Oronzo Am langen Wochenende des 08. Dezembers, il ponte dell’Maria Immacolata, der Unbefleckten-Empfängnis-Brücke (Brücke im Sinne von langem Wochenende), kam in Apulien eine nie dagewesene Initiative zur Welt: die NIGHT PARADE. Der Titel ist sicher eine Wort-Entlehnug von Love Parade. 100 Spettacoli (also 100 Veranstaltungen. an einem langen Wochenende).

Unter den Augen des Stadtheiligen Lecces, San Oronzo, ergab seine nach ihm benannte Piazza eine fantastische Kulisse für ein nie-hiergewesenes Spektakel des Cirque du Soleil. Leider war die Piazza so dermaßen voll, dass man zum Atmen nach „Draußen“ gehen mussten. Die Tagesschauen am Tag danach sprachen von über 70 000 Menschen in Lecce, die der Show zusehen wollten. Und mehr noch: An insgesamt 5 Tagen befanden sich die Provinzhauptstädte Foggia, Bari, Taranto, Brindisi und Lecce im nächtlichen Ausnahmezustand. Man muss sagen, dass die Initiative ein voller Erfolg war, wenn auch vorwiegend für die heimischen Nachtschwärmer….

Das ganze hat auch eine Stange Geld gekostet, die „Notte Bianca“, also Musik, Theater, Tanz die ganze Nacht hindurch, hat die besondere Eigenschaft, dass sie von den jeweiligen Gemeinden bezahlt wird. Ebenso die teuren „Show-Perlen“. Alles gratis für die Zuschauer! Unglaublich? Nein, ein Versuch, den Tourismus aus den kanalisierten 2-3 (maximal) Sommermonaten über’s Jahr zu verteilen. Die Region Apulien will sich als mehr als nur als Bade-Region etablieren. „2 Monate Saison sind für dieses herrliche Land zu wenig.“ Gesagt, getan. Ein unglaubliches Aufgebot an Stars, nationalen Sängern und Gruppen „erhellte“ die langen salentinischen Nächte.

Kritiker meinten, dass angesichts der riesigen Schwierigkeiten, mit der Apulien und der Rest der Welt im neuen Jahr zu kämpfen haben werden, so eine Verschwendung fast schon unmoralisch sei. Dem kann man aber so nicht beipflichten, war dieses Event doch von sehr langer Hand geplant und die Künstler schon Monate im Voraus verpflichtet. Ob es letztendlich den gewünschten Effekt gebracht hat, bleibt, wie so vieles in Italien, im Dunkeln. Zumindest die Lecceser Geschäftsleute waren laut Lokalzeitung zufrieden. Ihre Geschäfte waren teilweise die ganze Nacht hindurch geöffnet, und es gab „Offerte Speciali zur Immacolata“.

Nun gibt’s eine Frühlings-Zugabe: Programme sind noch nicht verfügbar, sicher ist aber, dass eine milde Nacht auf alle Fälle an das Dezember-Ergebnis, was die Besucherzahlen betrifft, heranreichen könnten.

Canti di passione

Es gibt im Salento eine weitere Tradition, die sehr gepflegt wird und die, trotzdem die Religion an sich und auch hier immer weiter in die Mäander der Zeit zurückfällt, weiter lebt. Die Passionsgesänge, Leidensgesänge, besingen auf poetische, sowie folkloristische Weise das Leben, Leiden und Sterben Christi. Wie in Mitteleuropa der Advent als vorweihnachtliche Zeit besonders wichtig ist, so ist es hier die österliche Zeit. Ostern ist als Kirchenfest viel wichtiger als in Mitteleuropa und wird mit unzähligen Prozessionen und Riten begangen. Dazu gehören eben auch die Passionsgesänge, die es in ganz Mittel- und Süditalien gibt und die hier bereits 4 Wochen vor Ostern beginnen, ihre traurig-schönen Lieder in den Kirchen zu singen. Leiden kann man hier gut. Es ist der Ausdruck von Liebe, von besonderen Gefühlen, die ausgedrückt und zelebriert werden. Dazu eben gehören auch die Canti di passione. Gleichzeitig aber drücken sie auch starke Hoffnung aus, die Zukunft wird das Licht bringen, Christus wird auferstehen. Der menschliche Schmerz des Christus wird zu göttlichem Licht. Was gibt’s Schöneres zu Beginn des Frühlings?

Dienstag, 10. Februar 2009

Schnee im Salento

Liebe Blog-Freunde,

soeben habe ich die Wettervorhersagen für den Rest der Woche gelesen und siehe da....vielleicht ist sie ganz nah, die "weisse Nacht". Von Freitag auf Samstag den 14.02.09 soll das Thermometer sinken. So weit, dass es Schneeregen oder gar Schnee in den höheren (wo eigentlich, der Salento ist fast so platt wie 'ne Flunder....) Lagen geben könnte. Harren wir also der Dinge, besser der Flocken, die da kommen. Sicher ist, dass ich Donnerstag erst mal alle meine kleinen und empfindlichen Pflänzchen reinstellen werde. Sicher ist sicher! Warum ich mich so freue??? Na, danach ist zappa mit Winter! Danach geht's aufwärts, dem Frühling entgegen!
Ich werde Euch auf dem Laufenden halten und eventuell Fotos machen!

Baci
Claudia

Sonntag, 8. Februar 2009

Winter im Salento


Februar

Dem Kalender nach ist Februar ein Wintermonat. Und der Regel nach ist der Februar im Salento auch tatsächlich der kälteste Monat im Jahr.

Trotzdem….man spürt, der Frühling ist nicht mehr weit! An manchen Abenden, an denen man sich noch unterwegs findet, kann man es riechen. Wissen Sie, ein leicht modriger Geruch. Und doch, so ganz „hinten“… Frische. Die Tage werden länger im Februar. Es dämmert nicht schon um halb fünf, nein, bis nach 18 Uhr ist Licht, das allein schon kündigt ihn an… es kann sein man kommt irgendwann um 18.30 Uhr völlig fertig von der vielen Quatscherei des Maestro aus dem Friseurgeschäft und duftet stark nach Haarspray und da ist er dann.…der Frühling. Er „überduftet“ sogar den Haarspray…Die Luft ist an manchen Abenden milder. Und die Mandelbäume recken ihre knorrigen, zerbrechlichen Äste in den Himmel und aus den kahlen, bizarren Astformen schieben sich zartrosa Blüten. Filigran und zerbrechlich auch sie. Man kann sie kaum anfassen, schon fallen sie ab und segeln zu Boden. Aber im Halbdunkel leuchten sie. Sie „leuchten“ sozusagen den Frühling ein. Sie trotzen eisiger Frühjahrsstürme und vereinzelten „gelate“ – nein kein Speiseeis, sondern der gefürchtete Frost, der die Halbinsel bisher vielleicht sogar verschont hat. Wenn der Frühling längst nah ist, ist der Winter am Nächsten. So als wüsste er, dass er das Feld räumen muss und dann schlägt er an manchen Tagen noch mal so richtig zu. Apropos Feld: Die Bauern haben längst die Kartoffeln gesetzt und ein heftiger Nachtfrost kann die Pflänzchen natürlich erheblich dezimieren. Wussten Sie, dass die Sieglinde-Kartoffel und die Nicola-Kartoffel aus dem Salento stammt? Sie werden Ende Januar gesetzt und im Mai geerntet.

Mit den ersten Frühjahrsanzeichen sterben auch vermehrt die alten Menschen im Dorf. Eigentlich seltsam, nicht? Man möchte meinen, sie wollten den Winter nicht erleben, aber nein, der herannahende Frühling nimmt ihnen die Kraft zum Leben. Dann sind die Anzeigetafeln im Dorf voll von Todesanzeigen. Sie ersetzen den Lokalteil der Zeitung. Lecce ist weit, wenn’s um Persönliches geht, die Todesanzeigen müssen schnell aufgehängt werden, schließlich kommt der Tote spätestens 24 Stunden nach seinem Tod bereits unter die Erde. Diese Anzeigtafeln stehen längsseits mehrerer Straßen, die Leute verlangsamen ihre Fahrt und lesen, wer in der letzten Nacht von uns gegangen ist.

Der Februar ist natürlich auch der Karnevals-Monat. Man darf sich den Karneval hier nicht als traditionsgeladene Maskenshow wie Venedig oder gar den schwäbisch-alemannischen Fasching vorstellen. Trotzdem wird in die Umzugswagen von Gallipoli ein ganzes Jahr Arbeit gesteckt, je größer, desto besser und je aktueller desto besser. Wie im rheinischen Karneval behandelt der italienische politische Themen lokaler und nationaler Bedeutung. Karikaturen und Satire in gigantischen Pappmachée-Figuren, die an zwei Nachmittagen durch die Strassen gefahren werden und in einem Wettbewerb bis auf den letzten Narren das Publikum erfreuen. Dann werden die Mädchen als Prinzessinnen und die Jungs als Cowboys verkleidet und man geht „dai carri“ – zu den Wagen – gemeint ist der große Festumzug. Aber darüber hinaus ist der Salent nicht besonders karnevalsverrückt.. Es gibt Themenabende in den Discotheken und Tanz auf dem Marktplatz, aber das war’s eigentlich auch schon.

Naja, jedenfalls hoffen alle darauf, dass das Wetter besser wird. Waren Sie schon einmal während des Winters in Süditalien? Nein? Na, dann ziehen Sie sich mal warm an!

Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass man in Süditalien bei lauen 14 Grad Plus frieren soll….schon gar nicht in der Wohnung! Aber der Salento weist eine Besonderheit auf. Er ist fast wie eine Insel von allen Seiten von Meer umgeben. Und genau das macht die Sache anders: Es ist schrecklich feucht. Die Feuchtigkeit kriecht einem in die Kleidung und unter die Haut. Die Kleidung ist bei Scirocco klamm, das Haar sitzt nicht und kraust sich, es ist während des Tages draußen immer milder als im Haus. Noch so eine Kuriosität: Zwiebellook ist immer gut. Draußen um sich auszuziehen. Und drinnen umgekehrt! Die im Sommer so gesegneten Steinfußböden, gefliest oder Naturstein, die die Kühle den ganzen Tag über an den Raum abgeben, der sich sonst sicher zum Backofen aufheizen würde…im Winter tut er leider genau dieselbe Funktion!

Überhaupt: Es ist kalt in süditalienischen Behausungen. Das liegt auch an der nachlässigen Bauweise. Ich kann das ja auch verstehen. In Mitteleuropa muss man mit 8-10 Monaten Kälte rechnen, hier ist es umgekehrt. Der Winter dauert von Dezember bis März, höchstens! Es schneit so gut wie nie! Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, einmal im Jahr gibt’s auf der salentinischen Halbinsel immer eine „weiße Nacht“, was sich nicht auf die im Dezember-Kapitel beschriebenen Event-Nächte bezieht, sondern auf sehr seltenen Schneefall, der dann in der Morgensonne auch schon wieder geschmolzen ist.

Nun – wer sich die Klimazonen-Landkarte vornimmt, wird bemerken, dass sich der Salento schon im subtropischem Klima befindet. Das bedeutet heiße, trockene Sommer und milde, regenreiche Winter. REGENREICH kann ich, was diesen Winter anbelangt, getrost GROSS schreiben. Es regnete seit Anfang November fast ununterbrochen. Und dann wird’s natürlich richtig ungemütlich…selbst die neueren Behausungen beginnen zu schimmeln. Das liegt zum Einen selbstredend daran, dass entsprechend wenig isoliert gebaut wird. Zum Anderen aber auch daran, dass ungenügend geheizt wird. Wenn man die Heizölpreise sieht, denkt man sich seinen Teil und versteht das auch. Aber in vielen Wohnungen und Häusern ist gar keine Zentralheizung vorgesehen…Die alten Häuser in den Dörfer heizen mit ihrem guten alten Kamin. Der wird gegen Abend angeheizt und hält die Wohnküche den ganzen Abend warm. Das Wohnzimmer wird eh’ nicht benutzt (siehe November-Kapitel) und die Schlafzimmer bekommen Heizdecken über die Matratze, das geht auch!

Die jüngeren Generationen mögen’s da schon auch eher kuschelig, aber den ganzen Tag eine leere Wohnung zu beheizen, damit man’s abends schön warm hat….“ma neanche per idea“ – daran denkt man doch nicht im Traum!!! Nein, da sind sie sparsam, die Salentiner! Nicht umsonst wird Ihnen beim Schlendern über den Markt oder beim Stöbern in Boutiquen und Kaufhäusern während der Wintermonate auffallen, dass es fast ausschließlich Wollpullover oder Wolljacken gibt. Damit würde man es in Mitteleuropa in keiner normal beheizten Wohnung aushalten! Aber hier tut das gut! Selbstgestrickte Wollsocken mit inbegriffen! Und ist billiger, glauben Sie mir!

Erst jetzt während der Weihnachtsfeiertage sprach ich mit einem befreundeten Paar, beide eingefleischte Salentiner, die aus beruflichen Gründen in Biella, nördlich von Turin leben. Sie sprachen über die so verschiedenen Lebensweisen der Norditaliener. Giampaolo bemerkte: „Es ist unglaublich, wie die Norditaliener heizen! Wir haben eine Wohnung in einem Hochhaus, mit zentralgesteuerter Heizung. Wir reißen erst mal alle Fenster auf, wenn wir abends heimkommen. 24 Grad in der Wohnung, das ist doch krank! Und es macht krank! Man kann sich doch was überziehen!“ Na, ich nehme an, dann ginge es ihm nördlich der Alpen genauso! Man muss freilich überlegen, ob er nicht ganz unrecht hat, angesichts der Krise, der weiter steigenden Heizölpreise, des gepredigten Klimaschutzes…

Na jedenfalls kommen die Salentiner auch so langsam darauf, dass ihre Region sonnengesegnet ist! (Nicht diesen Winter, aber das hatten wir ja schon). Nachdem im Jahre 2007 endlich auch Italien dem Klimaschutzpaket zustimmen musste, gibt es auch hier Subventionen für Fotovoltaikanlagen.
Genauer gesagt, es gab sie schon früher, aber damals war das ein großes Risiko, den italienischen Staat zum „Partner“ zu haben. Man selbst musste die ganze Investition tätigen und wenn dann in dem Pott noch Geld übrig war, dann bekam man eventuell was von dem Kuchen ab….darauf hatte sich natürlich keiner eingelassen. Seit 2007 aber gelten europaweite Regelungen auch hier. Die Mühlen der italienischen Bürokratie mahlen natürlich etwas langsamer, aber es geht! Und so wird mein ganz persönlicher Traum vielleicht wahr werden, und alle Flachdächer werden Sonnenstrom produzieren! Dann könnte die salentinische Halbinsel theoretisch doch fast autark werden – energietechnisch gesehen….Vielleicht wird dann ja aus der „Repubblica Salentina“ mehr als nur „uno stato d’animo“…..einem Gemütszustand, einem Seelenzustand, oder, sinngemäß übersetzt, einem Land, wo die Seele zuhause ist!

Ja – un pò di pazienza, ich erkläre Ihnen ja gleich, was es damit auf sich hat:

2007 wurde diese „Repubblica Salentina“ über die Schul-Kooperative „Arianoa“ – Dialekt für „Aria nuova“ – Neue Luft, besser „Neuer Wind“ gegründet. Sie besitzt kein „echtes“ Territorium, wohl aber eines der Herzen, der salentinischen Seele. Es handelt sich hierbei um eine Initiative eines Handelsgymnasiums „Costa“ in Lecce. „Repubblica Salentina“ wird als „Brand“, also als Markennamen geboren. Unter diesem Markennamen finden Events statt, werden Marketingkonzepte für die hiesige Tourismusbranche entwickelt und weitere expandierende Initiativen, wie das Beducken von Souvenirs auf den Weg gebracht, vor allem aber die hiesige Kultur und ihre Traditionen, die landschaftlichen Schönheiten, der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Salentiner neu entdeckt und gefördert. Dabei hilft in diesem Jahr „Class Action“. Class Action ist eine Schul-Reality. Sie wissen schon, diese etwas hirnlosen Shows, in denen es darum geht in einem bestimmten Zeitrahmen unter bestimmten Bedingungen auszuharren und nicht aus dem Spiel gewählt zu werden oder aufzugeben. Class Action ist aber anders. Sie greift das Reality- Konzept auf, das unter den Jugendlichen großen Erfolg hat und spickt es ein bisschen mit nützlichem und interessantem, vor allem mit jeder Menge praktischen Lerninhalten! (Huch, da ist doch glatt die Lehrkraft mit mir durchgegangen….sorry!) Die 13. Klasse, also die diesjährigen Abgänger „pushen“ das Label „Repubblica Salentina“. Dabei geht es um neue Marketing-Konzepte, es geht darum, Manager zu sein, nicht zu spielen! Das Geld dazu ist auch ganz reell. Es stammt von Spenden, die Online veröffentlicht werden, das Ganze funktioniert also wie eine richtige Firma!

Die Partie wird während des laufenden Schuljahrs gespielt. Start war im Oktober 2008, Abpfiff wird im Mai 2009, also kurz vor den schriftlichen Abi-Prüfungen sein. Die Rollenverteilung der Mitspieler ist klar. Mehrere Gruppen stellen verschiedene Unternehmer und ihr Führungspersonal dar. Die Gruppe teilt sich wiederum auf in Verantwortungsgebiete. Jede Gruppe entwickelt neue Konzepte und bringt sie real auf den Weg. Dabei ist Kreativität, Machbarkeit, Finanzierbarkeit genauso gefragt wie die Fähigkeit, wirkliche Unternehmen zu finden, die die Marketingkonzepte aufzunehmen und sie umzusetzen. bereit sind. Ziel ist, in den 8 Monaten die „Repubblica Salentina“ als Markennamen bekannter zu machen.

Ihr Motto ist: „Nulla Dies Sine Linea“ – frei übersetzt „Kein Tag ohne Aktion“
Damit erklärt sich auch der Titel dieser Initiative „Class Action“

Die Lernziele sind hoch gesteckt und pragmatisch ausgerichtet. Es geht nicht um eine Unternehmenssimulation, sondern um ein echtes Unternehmen. Es geht um Kreativität und Machbarkeit, um Teamfähigkeit und um Führungsqualitäten. Es geht außerdem um den business-mäßigen Umgang mit den neuen Technologien, die SchülerInnen in ihrem Alter sonst eigentlich mehr als Sozialisierungsmedium kennen.

Zum „Spiel“ wird das Ganze dadurch, dass online Punkte vergeben werden, die Mitspieler über ihre Initiativen Buch führen und auch direkt bewertet werden. Die Schiedsrichter sind aufgeteilt in Lehrer, online-Besucher und eingetragenen „watchers“. Ein telefonisches Interview mit einer der verantwortlichen Lehrkräfte hat ergeben, dass es keinen „Gewinn“ als solchen gibt. Kein Geld zumindest! Selbstverständlich werden Teilnahmezertifikate ausgestellt, Schulcredits vergeben. Die Schüler hoffen jetzt auf eine in Aussicht gestellte Einladung im italienischen Fernsehen, das ist aber noch nicht bestätigt. Auf alle Fälle können sie sich aber als Urheber der Repubblica Salentina fühlen, als Unternehmer in eigener Sache, nämlich, Promotioners für ihre Region.

Meiner Ansicht nach ist dies eine mehr als gelungene Art, Schule zu gestalten.

Wir haben schon den 08. Februar und, der Februar hält was er verspricht. Es gibt zwar hie und dort einige Sonnentage, aber es ist noch immer recht frisch und der Winter ist noch nicht vorbei!

Der nächste Monat handelt dann endgültig vom Frühling…….

Freitag, 16. Januar 2009

Toter Januar? Im Antonio-Feuer


Januar

Mancaversa am 03. Januar 2009
Uff. Finalmente! Heute morgen habe ich die Weihnachtsdeko verpackt und das neue Jahr kann beginnen. Ehrlich gesagt bin ich mit den besten Vorsätzen aufgestanden, einen langen Walking-Spaziergang zu machen…Sie wissen, die Weihnachts-Völlerei…Aber das Wetter hat mir, Petrus Sei’s gedankt, einen Strich durch die Rechnung gemacht. So verregnete Feiertage wie dieses Jahr hatten wir schon lange nicht mehr…klar, nach der extremen Wasserknappheit dieses Herbstes waren die Regentage im November und Dezember ein Geschenk des Himmels, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber Gift für die Linie…..naja, genug gejammert. Nur wegen des Sonnenscheins purzeln die Pfunde auch nicht!

Januar ist hier im Salento auch nicht der kälteste Monat des Jahres. Das Primat hat der Februar inne. Wenn schon die Mandelbäume blühen schlägt der salentinische Winter noch mal so richtig zu…Aber das halten wir aus. Wir wissen ja, dass es dann auch endgültig vorbei ist.

Trotzdem der Januar also nicht der kälteste Monat im salentinischen Kalenderjahr ist, charakterisiert ihn dennoch ein Feuer gigantischen Ausmaßes am 16. Januar abends in Novoli (ca. 10km westlich von Lecce): La „fuocara“ di Sant’ Antonio Abate. Wieder ein Heiliger, der hinhalten muss für die ursprünglich gar nicht so christlichen Bräuche im Salento. Was hat es damit auf sich?

Wenn die Weinernte um Novoli Ende September abgeschlossen ist und der Negramaro, der hiesige autoktone Rote gekeltert wird, werden die Rebstöcke kräftig für den Winter eingeschnitten. Was sonst auf irgendeinem Feld in der Nähe nach und nach verbrannt werden würde, wird in Novoli und Umgebung gesammelt und gesammelt und gesammelt. Olivenholzreste, alte Stoffe und noch so manches ausgediente hölzerne Möbelstück wird aufgehoben und aufgeschichtet auf der Piazza Tito Schipa von Novoli. Das Zauberwort heißt: Aufschichten. Denn das Material wird nicht einfach so aufeinander geworfen, wie’s kommt. Nein nein, seit Generationen lehren die Väter ihren Söhnen, die „focara“ kunstvoll aufzuschichten, die Materialien miteinander zu verknüpfen und zu verweben, sodass nicht einmal ein Sturm die „Focara“ umwerfen kann. Am Ende steht eine hölzerne Pyramide, ca. 20mt im Durchmesser und eben so hoch, ein gigantisches Freudenfeuer für die einen, ein Mega-Scheiterhaufen für die anderen. Woher stammt diese uralte Tradition?

Dem Heiligen Antonio Abate wird seit Urzeiten die Macht über das Feuer zugesprochen. Nicht umsonst nennt man ihn auch „Sant’ Antonio del fuoco“ – des Feuers. Der Heilige Antonio lebte im 3. – 4.Jh. im Nahen Osten. Er ist Stadtpatron von Novoli, weil er die Stadt von einem Feuer gerettet haben soll. Außerdem hat er laut seiner Biografie den Dämon bezwungen (die Begegnung wird ähnlich beschrieben wie die des Jesus in der Wüste) und eignet er sich damit schon aus zwei Gründen prima als Schutzpatron. Ihm zu Ehren wird am 16.01. die gigantische Focara entzündet. Am 17., dem eigentlichen Festtag, werden Tiere vor den Kirchen gesegnet. Auch diese Tradition wird dem Heiligen Antonio zugeordnet.

Ich kann Ihnen garantieren, dass Ihnen nicht kalt wird, wenn Sie sich entschließen, am 16.01. den Abend in Novoli zu verbringen. Abgesehen von der Tatsache, dass Novoli ein kleiner Ort ist und die vielen Autos weit vor dem Ort geparkt werden müssen (der erweiterte Stadtkern wird schon am Morgen abgesperrt), Sie also schon mal zu einer Wanderung im Abendschein gezwungen sind, sind da außer Ihnen jährlich noch weitere rund 50.000 Personen, es ist also schön kuschelig. Das Riesenfeuer tut dann ein Übriges. Und falls es immer noch frostig ist….es gibt ja noch den Vincotto…das ist bis zur Unkenntlichkeit eingekochter Rotwein, als Sirup gereicht. Schmeckt zu solchen Gelegenheiten mit den unvermeidlichen Pittule, die man darin tunkt, fantastisch.


07. Januar 2009

Sie werden sich vielleicht fragen, warum ich über meine Wahlheimat immer nur Kurioses schreibe, wo man doch auf der ganzen Welt tagtäglich über das eine Übel Italiens hört, sieht und liest, das Italien seit über 100 Jahren fest im Griff hat und auch nicht loslassen will: Die Mafia. Besonders im Süden, werden Sie gedacht haben, kann man sich diesem Phänomen ja nicht verschließen….und spätestens seit dem weltweiten Erfolg des Buches „Gomorrha“ von Roberto Saviano weiß man auch im Ausland ganz genau, was in Italien „geht“….

Wenig wird aber darüber berichtet, was gegen die Mafia getan wird. Erst kürzlich habe ich etwas mehr über die Organisation „Libera“ erfahren. „Libera“ bedeutet „frei“ und so banal das klingen mag – es ist es ganz und gar nicht. Frei sein kann nur, wer über sich, seine Familie, seine beruflichen Aktivitäten frei entscheiden kann. Das organisierte Verbrechen, wie ich bereits auf der Webseite „in-Italy“ schrieb, (http://www.in-italy.de/italien/artikel/3535-wo-liegt-der-sueden-italiens-eigentlich),hat längst viel weit reichendere Ambitionen: Das Ausland, die Politik und Wirtschaft, das sind die Sparten, in denen die Mafia inzwischen ihre Tentakeln ausgebreitet hat.

Das organisierte Verbrechen investiert die Gewinne weiterhin in Italien – in ganz Italien, um genau zu sein. Riesige Ländereien, Deck-Firmen usw. gehören der Mafia. Libera kümmert sich darum, dass nach der Konfiszierung durch den Staat diese Immobilien nicht brachliegen, verfallen oder gar wieder durch Mittelsmänner auf Gerichtsversteigerungen der Mafia zugeführt werden, sondern Kooperativen, Vereinen, Jungunternehmern etc. verpachtet werden. Erst letzten Freitag habe ich auf einer Schulveranstaltung Frau Marisa Capone getroffen. Sie ist Provinzreferentin für Lecce und erklärte mir Existenz und Wirken der Associazione „Libera“. 1995 gab es in Italien ein Referendum (eine Volksbefragung). Diese Referenden empfinde ich als ein grandioses Instrument der direkten Demokratie. Wenn gegen oder für eine Sache ein Minimum an Stimmen gesammelt werden, muss von der Legislative ein Volksentscheid diesbezüglich angestrengt werden. So wurde in der ferneren Vergangenheit gegen alle politischen Kräfte die Scheidung eingeführt, das Recht der Frau auf Schwangerschaftsunterbrechung usw. usw. Dieses demokratische Instrument funktioniert nur nach hinlänglicher und gut ausgeführter vorheriger Aufklärung. Und 1995 hat es einmal mehr funktioniert. „Libera“ hat sich als Verein konstituiert und in nur 3 Monaten einen Volksentscheid erreicht, der innerhalb desselben Jahres durchgeführt wurde und auch gleich 1996 als eines der wichtigsten Gesetzesentwürfe über den Verbleib der Mafiabesitztümer „durchgedrückt“. Dieses Gesetz 109 vom 09.März 1996 reguliert die Verwendung der endgültig konfiszierten immobilen Besitztümer des organisierten Verbrechens. Ich habe Frau Capone gefragt, wie genau diese Verwendungsänderung vor sich geht: Die endgültige Konfiszierung und anschließende Enteignung der Besitztümer erfolgt auf langen juristischen Wegen nach insgesamt 3 Instanzen. Wird nachgewiesen, dass die Immobilien tatsächlich „der Mafia“ gehören, mit Geld unbekannter Herkunft erworben oder erbaut wurden, werden diese enteignet und der jeweiligen Gemeinde unterstellt. Damit war lange Zeit auch schon alles vorbei. Entweder die Gemeinde brachte den Mut und das Geld auf, die enteigneten Objekte unter ihrer Schirmherrschaft „funktionieren“ zu lassen, oder ganze Landzüge, Villen, Appartements etc. lagen für immer brach und verfielen ganz, es sei denn, sie wurden versteigert. Bei diesen Versteigerungen konnte aber nie ausgeschlossen werden, dass nicht über Strohmänner doch wieder die ursprünglichen Besitzer, oder schlimmer noch, deren verfeindete Gegenspieler in den Besitz dieser Objekte gelangten.

Seitdem „Libera“ sich mit viel Mut diesen „unberührbaren“ Besitztümern angenommen hat, laufen die Dinge anders. Durch die Ernennung eines Verwalters gelangt „Libera“ in Mitverantwortung und führt gemeinsam mit der jeweiligen Gemeinde eine Kooperative oder Jungunternehmer, die durch die vorherige Bewilligung eines Projektes für die „Inbesitznahme“ qualifiziert worden sind, an die Objekte heran. Frau Capone erklärte mir, dass fast alle Kooperativen, die heute mit der Lebensmittelproduktion beschäftigt sind, anerkannte Bioprodukte herstellen: Pasta, Olivenöl, aber auch Zitrusfrüchte, Wein, Gemüse, Honig und Marmellade, Salami und Käse….Sie alle kürt das Markenzeichen: Libera Terra (Freie Erde). Und das ist mehr als nur ein Logo für Qualität. Vor allem ist es ein richtiger Schritt in die richtige Richtung: „buono, sano e giusto“. Die Produkte seien „gut, gesund und gerecht“. Ein besseres Marketing kann man dafür gar nicht entwickeln. Dahinter steht eine ganze Organisation, das „Consorzio sviluppo e legalità“ – das Konsortium Entwicklung und Legalität, Coop-Freunde (gli amici coop) usw. Vor allem aber stehen Institutionen, Schulen, Gruppen und Privatpersonen hinter „Libera“ und geben „Legalitätskurse“, informieren an Schulen, organisieren Konferenzen und Diskussionsforen usw. Wenn, wie es im Februar-März 2009 passieren wird, dass in Casarano das Urteil die endgültigen Enteignung eines Objekts (ein Appartement) erwartet wird, stehen schon alle in den Startlöchern. Gemeinsam werden die Projekte zur Weiterverwendung beurteilt, das Beste im Gremium ausgewählt, es wird wieder einmal informiert. Frau Capone hat mich eingeladen, den Versammlungen beizuwohnen und ich werde sicherlich weiter darüber berichten.

„Libera“ hat außerdem den 21. März als Gedenktag für alle Opfer der Mafia ausgerufen. Mehr noch. Der 27. Januar, seit jeher als Gedenktag für die Opfer des Holocausts hier in Italien bekannt, soll, nach „Libera“ auch der Tag des sozialen Befreiung aus der Mafiaknechtschaft werden.

Aktuell gibt es in der Provinz Lecce 66 konfiszierte Objekte verteilt auf 13 Gemeinden.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt „Libera“s ist das „Aufmerksam machen“ auf die internationale Vernetzung des organisierten Verbrechens. Frau Capone sagte mir: „Die Deutschen sind nach den Vielfachmorden von Duisburg (15.08.2007 Anm.d.A.) aufgewacht. Da haben auch die deutschen Bürger bemerkt, dass die Mafia direkt unter ihnen weilt, dass sie in ihren Lokalen speisen, dass der nette Kellner vielleicht ein Scherge ist.“ Damit will sie keineswegs die vielen italienischen Gastarbeiter, die sehr gut in Deutschland integriert sind und die ehrlich ihr Brot verdienen, diskreditieren. Vielmehr will sie darauf aufmerksam machen, dass das kein isoliertes sizilianisches, oder italienisches Phänomen ist. Das organisierte Verbrechen ist leider überall präsent und jede Verhaftung, jedes aufgedeckte Netzwerk sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wer mehr wissen will kann mir gerne schreiben, ich leite alle Fragen an Frau Capone weiter.
Im Moment bemühe ich mich um die Erlaubnis, das Label von Associazione Libera hier auf meinem Blog führen zu dürfen. Flagge zeigen…

Ein weiterer sehr informativer Artikel zu „Libera“ erschien im April 2008 im Stern. Er ist nachzulesen unter:
http://www.stern.de/panorama/:Terra-Libera-Mit-Oliven%F61-Mafia/617736.html

Auch die deutsche OEKOGENO aus Freiburg hat 2008 in seinem Jahresbericht „Libera“ erwähnt:

http://www.oekogeno.de/uploads/pdf/Gutes_Geld_Herbst_2008.pdf

Suchen Sie verstärkt „Terra Libera“ –Produkte. Die Mafia dankt es Ihnen bestimmt nicht!

Inzwischen haben wir Mitte Januar. Ich entschuldige mich an diesem Punkt nochmals für die Verspätung, mit der mein Januar-Kapitel hier im Blog erscheint.

Das Leben geht seinen gewohnten. Gang. „solita vita“ – wie die Italiener sagen. Das Wetter ist uns dieses Jahr auch nicht hold, in den letzten Jahren erinnere ich viel wärmere und trockenere Januare und die Grippewelle erfasst ganz Italien mit unglaublicher Wucht…

Wenn Sie außerhalb der Badesaison Italien besuchen, wird Ihnen an den Einheimischen eins auffallen: Sie sind vermummt. Auch heute noch tun mir die kleinen Kinder leid, die im schönsten Sonnenschein angezogen werden, als müsste man nicht am Kindergarten, sondern am Nordpol aus dem schützenden Auto aussteigen. „Und dann wundern sich die Mütter, wenn ihre Kleinen ständig krank sind…“ dachte ich jahrelang fast verächtlich. Nun, die Zeit lehrt…inzwischen bin ich auch etwas anders angezogen, zumindest, wenn ich längere Spaziergänge vorhabe. Das liegt daran, dass vor allem der Salento sehr windig ist. Er liegt, wie Sie wissen, zwischen zwei Meeren und genau das macht das Klima auch im Sommer etwas angenehmer als anderswo. Nur vom Herbst bis zum Frühjahr hat das auch seine Tücken. Der Wind ist kalt, auch wenn die Sonne, wie beispielsweise gestern in den Mittagsstunden vom Himmel brennt und das Sonnenthermometer auf laue 23 Grad aufheizt. Aber nur in der Sonne. Der Wind kam aus Norden (Tramontana….trocken und eisig) und auch nur 10 Minuten draußen im Fleecepulli (um zu sehen, was meine Blumen und Pflanzen machen) und mir kratzte der Hals….Dasselbe passiert bei Scirocco. Der Wind ist zwar warm, aber er ist gleichzeitig feucht. Diese tückische Mischung lässt schwitzen, aber wehe, man zieht sich aus. Sie werden sagen…na wenn sie aber auch keine Abwehrkräfte besitzt….nun vielleicht nicht genug, aber selbst die, die hart im Nehmen sind, ziehen sich hier anders an. Denken Sie also daran. Windfeste Kleidung und wenigstens ein Stirnband sind im Süden im Winter auf alle Fälle nicht falsch. Überhaupt ist es nicht so, dass die Italiener gar nicht ins Freie gehen. Die hier so gern gesehenen Open-Air Konzerte gibt’s auch mitten im Winter und das hat schon was…Vor ein paar Jahren habe ich auch schon darüber berichtet…

http://www.in-italy.de/italien/artikel/3533-von-taranteln-und-gezwickten"

Dienstag, 6. Januar 2009


as a co writer of this blog
i like to wish all viewers
a very god new year
i will be in the salento in march
looking very much forward to this
* **
ich wünsche allen besucher
dieses blogs ein gutes neues jahr
ich werde im marz im salento sein
und zähle die tage bis es soweit ist
henry

Donnerstag, 27. November 2008

Vom Salento komm' ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet nicht so sehr!



Alle Jahre wieder, wenn in Deutschland die Lichter aus- und die Kerzen angehen, sehne ich mich, ja ich geb’s zu, zurück ins Matschwetter und zu allem, was man als Deutscher so gar nicht zu schätzen weiß.

Ich lade Sie also wieder einmal ein, sich in (schon richtig gelesen, nicht „aus“) unser imaginäres Fenster zu lehnen und den Süditalienern ein bisschen bei den Weihnachtsvorbereitungen zuzusehen.

Stellen Sie sich Anfang Dezember im Süden Italiens vor…die Olivenernte ist in vollem Gange. Rosen, Hibiskus, Bougainville, Amarilis, Clivien, Nelken und vieles mehr, was den heißen und überaus trockenen Sommer scheut, hat sich die angenehmere Jahreszeit ausgesucht, um sich fortzupflanzen und unserem Auge einfach nur Gutes zu tun. Vieles blüht bereits zum zweiten, wenn nicht sogar zum dritten Mal. Die Wiesen sind sattgrün und die Vögel, die Deutschland und die anderen nördlichen Gefilde längst verlassen haben, zwitschern in den vollen Baumkronen um die Wette. Die Wandergruppen ergehen den Salento jetzt wöchentlich, denn die kühle Temperatur lässt eine angenehmere Gangart bei mehr Kondition zu.

Seien Sie ehrlich: Käme bei Ihnen da Weihnachtsstimmung auf? Eben! Hier ein fast schon dreister Werbeschrei an alle Weihnachtsmuffel: Auf nach Süditalien! Hier kann man Weihnachten fast gänzlich meiden, wenn man nicht einkaufen geht! Also zugegeben: Hier und da blinkt uns ein recht lieblos mit bunten Lichtern geschmückter Blattbaum in einem Vorgarten zu. Aber sonst…das Klima lässt zumindest sehr häufig nicht auf Weihnachten schließen.

Erinnern wir uns doch einmal einen Moment, warum Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird: Das Christentum hat sich schon immer dort, wo es Verbreitung fand, nach anfänglichem Sträuben bis totaler Verweigerung der heidnischen Sitten vor Ort gebeugt. Im Falle von Weihnachten war das die längste Nacht des Jahres (um den 22. Dezember) anlässlich derer ein Tannenbaum (immergrün und daher im Norden hochverehrt) geschlagen und in die Hütte gestellt wurde. Er wurde mit dem Obst des Herbstes (meistens Wildäpfel und Birnen) behangen und der Licht-/Sonnengott wurde angefleht, die Tage recht rasch wieder länger werden zu lassen. Auf das der Frost bald der Sonnenwärme weiche und man wieder das Land bestellen könne, wurden Kerzen entzündet und am Tannenbaum befestigt….wussten Sie nicht? Sehen Sie, ich auch nicht. Den eigenen Traditionen und ihrer Bedeutung wird man sich in der Fremde viel eher bewusst, als zu Hause. Schon deshalb rate ich meinen Schülern immer, so schnell wie möglich für einige Zeit das Weite zu suchen…auch, um die Nähe zu finden:

Ich habe jahrelang verzweifelt einen Weihnachtsbaum in einer süditalienischen Kirche gesucht….vergeblich. Bis heute übrigens. Mit diesem „heidnischen Zeugs“ will der süditalienische Pfarrer nichts zu tun haben, selbst dann nicht, wenn auf dem Petersplatz in Rom jährlich der höchste und schönste Tannenbaum aus dem fernen Südtirol oder aus dem Aostatal unter Mühen, Verkehrsblockaden und Verzweifeln aller Umweltschützer (doppelt, weil erstens ein alter Baum abgeholzt und zweitens so weit transportiert wird) in der ersten Adventwoche aufgestellt und bestaunt wird.

Nun, Tannenbaum ist hier traditionsgemäß also schon mal gar nicht. Als ich vor vielen Jahren hierher kam, hab’ ich beim Tannenbaumschmücken bittere Tränen der Verzweiflung vergossen: Ich hatte mir fast alles aus Deutschland mitgebracht, aber eine Lichterkette haben ich und mein Mann (damals noch in spe) uns hier gekauft. Ich habe noch nicht einmal darauf geachtet, was das für eine war. Die Lichterketten in Deutschland waren schließlich alle fast gleich. Nicht so hier: Die Lichterkette, die wir erwischt hatten und, wie ich hinterher entsetzt feststellte, wie alle war, die es hier zu kaufen gab: Mit bunten Lichtern bestückt und das alleine wäre ja noch zu verkraften gewesen. Was viel schlimmer war, sie leuchtete in unregelmäßigen Abständen techno-mäßig auf und als letzter Schrei, mit jeder Aufleucht-Sequenz ertönte eine Midi-Melodie mit Weihnachtsmusik!! Einfach entsetzlich, ich halte mich selbst für ziemlich tolerant, aber können Sie sich so etwas vorstellen? Wenn ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung aufgekommen war – nun war sie sicher unwiederbringlich dahin! Da half es auch nichts, dass mein italienischer Anzutrauender sich sofort daran gemacht hat, die Melodie auszuschließen, heiße Tränen benetzten die guten deutschen, weil importierten, wertvollen Wachsfiguren, von denen sich meine Mutter für mich getrennt hatte.

Schnell entdeckte ich, dass die Italiener zu Hause im Gegensatz zur hiesigen Kirchendoktrie sehr wohl Weihnachtsbäume aufstellen und davon überzeugt sind, dass diese schöne Dekoration aus Amerika zu ihnen gekommen ist. Ein kurzer Blick auf den Baum damals zeigte mir sofort, warum man diesem Irrglauben nachhing: Er war durch und durch aus Plastik. Der Baum selbst, die Kugeln, das Lametta, die bunten Figuren, alles aus Plastik. Dazu die oben beschriebene blinkende Lichterkette und der Horror schlechthin war fertig. Diese Bäume gibt es fertig geschmückt für ‚nen Appel und n’ Ei zu kaufen. Selbstverständlich gibt es auch die teuren Versionen, größer, die auch weniger nach Plastik aussehen und die etwas weniger bunt sind. Aber eben immer so, wie wir, Sie und ich, uns einen Weihnachtsbaum gar nicht denken. Nun, die 90ger Jahre zogen ins Land und seit dem neuen Jahrtausend sieht man in vielen Häusern und guten Geschäften wunderschön geschmückte, farblich thematisierte und liebevoll hergerichtete Weihnachtsbäume stehen. Weiterhin aus Plastik. Darüber kann ich aber hinwegsehen, schließlich ist es dann wenigstens kein „Einmal-Weihnachtsbaum“. und man vermeidet sinnloses Abholzen. Immerhin…die Lichterketten sind jetzt sanft blinkend, fast immer in weiß und vermitteln den Eindruck eines Weihnachtsbaumes unter funkelnden Sternen oder so was ähnliches. Also man ist da durchaus lernfähig.

Die nächste Enttäuschung folgte damals für mich, wie bereits angedeutet, in der Kirche. Ich bin Weissgott keine fleißige Kirchgängerin, aber in der Ferne sucht man das Rituelle und da suchte ich also am 24. Dezember (Heiligabend wohlgemerkt) eine Messe. Vergeblich. Die früheste war die Christmette. Schon bald wurde mir klar, weshalb: Bis 21 Uhr sind hier am Heiligen Abend die Geschäfte geöffnet und rammelvoll. Einkaufswägen bis in die hinteren Regale stehen an den 10-15 Kassen Schlange, aus dem Lautsprecher randaliert bezeichnenderweise Technomusik, schreiende Kinder betteln um Spielzeug und gestresste Mütter verlieren die Geduld während die Väter technische Neuheiten bestaunen! Das ist hier in Süditalien der Heiligabend!

Daraufhin habe ich meinen Kirchgang auf den 25. Dezember verlegt. Was in Deutschland als 1. Feiertag bekannt ist, ist hier „Natale“, also Weihnachten! Aaaahhh! Mir ging ein Licht auf. Weihnachten beginnt also erst am 1. Weihnachtsfeiertag. Auch gut. Aber der Kirchgang wurde weiterhin eine große Enttäuschung. Die Messe war kein Hochamt. Alles normal. Nichts geschmückt, kein Weihnachtsbaum, keine „Friede den Menschen auf Erden-Predigt“. Business as usual! (Lesen Sie mein Osterkapitel in einigen Monaten, um zu wissen, WANN hier in einer Kirche richtig gefeiert wird...). Jahre später hatte ich den Bogen dann raus: Wir gingen in eine besondere Kirche nach Alezio (die Kirche ist eine Wallfahrtskirche und heißt „Madonna della Lizza“). Dort hab’ ich sie dann gefunden, die Weihnachtsstimmung während der Christmette. Auch wenn der Weihnachtsbaum gefehlt hat, so gab es doch die so verzweifelt gesuchte Weihnachtsatmosphäre. Die Leute gaben sich die Hände und küssten sich und wünschten sich „Buon Natale“, die Kirche war voll, der Pfarrer milde gestimmt, auch wenn er wahrscheinlich wettern wollte, dass sich die Kirche nur am Heiligenabend zur Christmette füllt….Sogar das Weihnachtslied „tu scendi dalle stelle“ „du steigst von den Sternen herunter“ wird am Schluss des Hochamts gesungen. Viel mehr Weihnachtslieder haben die Italiener auch gar nicht. Ebengenanntes ist überall in Italien bekannt und wird den Kindern bereits im Kindergarten beigebracht. Weitere sind vor allem Regional bekannt und werden leider kaum noch gesungen. Wenn aber, dann kommt der eigentlich gar unbekannte Dudelsack aus den Abruzzen zum Einsatz. Diese Dudelsackgruppen haben in der Vor- und Weihnachtszeit Hochsaison und man sieht sie in Mailand, Rom, Torin und überall, wo es auf Straßen und Plätzen weihnachtliche Veranstaltungen gibt. Die eher schwermütigen Melodien erinnern eher an den einstmals so schweren Stand der Hirten in den Abruzzeser Bergen, als an Weihnachten.

In Ermangelung so vieler Weihnachtslieder, wie die Mitteleuropäer sie haben, gibt es im Salento in den letzten Jahren einen regelrechten Gospel-Chor-Boom. Viele, die gerne und viel und vor allem gut singen, gehen vor allem vor Weihnachten und um die Weihnachtszeit auf Tournee im näheren Umfeld und beglücken Kirchen und Gemeinden außerhalb der Messe (vor allem abends) mit fantastischen Weihnachtskonzerten. Auch das ist relativ neu und wird hier sehr gut angenommen. Ein salentinischer Gospel-Chor, der Coro Gospel „Black on White“ von Tyna Casalini, die übrigens erst so um die 30 ist, war sogar vor 2 Jahren zum Weihnachtskonzert des Vatikans eingeladen (findet am 08.12. statt und wird hier in Italien oft am darauffolgenden Wochenende vom italienischen Fernsehen übertragen).

Sie werden sich fragen, was Süditalien denn überhaupt an traditionellem Weihnachtsbräuchen zu bieten hat. Nun, die Italiener im Allgemeinen und die Süditaliener im Besonderen sind ganz wild auf Krippen. Sie dürfen sich dabei jetzt nicht die übliche deutsche Krippe mit Maria und Josef und dem Jesuskind mit Ochs und Esel und vielleicht, wenn’s hoch kommt noch ein paar Hirten vorstellen. Nein, nein, nein, die Italiener verstehen unter Krippe – Presepe etwas gaaaaanz anderes. Ihre Hauskrippe bekommt einen besonderen Platz. Viel Platz, denn den braucht sie. Die italienische Krippe ist nämlich ein kleines, wenn der Platz es zulässt, sogar ein größeres Dorf zu Jesu Zeiten in Miniatur. Man stelle sich das ganz ähnlich wie eine deutsche Spielzeugeisenbahnlandschaft vor: Auf Hügeln sieht man Hütten und Häuser, davor die Handwerker bei der Arbeit, den Schreiner, den Schmied, den Fassbauer, den Schuhmacher usw. Ein kleiner Bach (oft echt!) fließt durch’s Dorf, ich habe auch schon mitten in einem Wohnzimmer (erinnern Sie sich an meine November-Ausführungen – hier noch ein Wohnzimmer-Verwendungszweck, da Platz vorhanden) einen kleinen Wasserfall gesehen.

Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben sich die Anhänger des Weihnachtsbaums und die der Krippe oft angefeindet, denn die Krippe-Anhänger halten sich (in dem Fall muss ich sagen, sie haben recht) für die Hüter der italienischen Traditionen. Die Wiege der Krippenbauer steht übrigens in Neapel. Dort wird in der Via San Gregorio Armeno alljährlich ab November auf der Strasse und das ganze Jahr hindurch in den Läden Krippenfiguren verkauft. Alle echt neapolitanischen Figuren werden aus Ton hergestellt, noch wertigere aus Holz. Und das Highlight ist jedes Jahr, zu erraten, welcher Zeitgenosse denn dieses Mal Einzug gehalten hat in die Riege der berühmten VIP-Krippenfiguren. Dieses Jahr, soviel wurde im italienischen Fernsehen schon verraten, ist es natürlich der neue amerikanische Präsident! Im Salento kann man alle Krippenfiguren aus Olivenholz oder aus Plastik (made in China) kaufen – das bleibt ihrem Gusto und ihrem Portemonnaie anheimgestellt. Wenn man aber von einer echten salentinischen Krippenfigur sprechen möchte, sollte es eigentlich eine aus Pappmaché sein. Denn Pappmaché-Künstler gibt es vor allem in Lecce mehr als genug. Davon will ich Ihnen aber in meinem Aprilkapitel mehr erzählen…Und als Krippenfiguren versteht man hier nicht nur Hirten, Engel und die Heilige Familie. Die häusliche Krippe, eine Art Puppenhaus oder Modelleisenbahnlandschaft, wie Sie wollen, kommt auf ihre Ausdehnung an, bekommt einen Bäcker, einen Metzger, einen Töpfer usw. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Den Figuren übrigens auch nicht. Mit der Arbeit für „il presepe“ wird schon am 08.12. begonnen. Das ist, wie der gute Katholik weiß, Maria Unbefleckte Empfängnis und hier ein Feiertag. „Gesù Bambino“ aber wird erst in der Heiligen Nacht in die Krippe gelegt. Das macht in der Familie auch immer der oder die Kleinste und ist in Italien fast so wichtig wie bei in Deutschland das Weihnachtsbaum anzünden und wird von begeistertem Klatschen ob der erbrachten Leistung begleitet.

Maria Unbefleckte Empfängnis ist sozusagen der Startschuss für die Weihnachtsvorbereitungen. Aus der Liturgie kennt man den Advent als solches schon, aber traditionell gibt es hier den Adventskranz, die Kerzen, die nach und nach angezündet werden, nicht. In den letzten Jahren sehe ich ihn aber als Schmuckgesteck bei innovativen Gärtnereien und Blumenläden, die ihn wunderschön dekorieren und der dazu gedacht ist, ihn sich vor die Haustür zu hängen. Dank Lidl, Penny Markt und anderen Discountern, die ebenfalls viel Ware aus Deutschland beziehen, gibt es seit ein paar Jahren auch Adventskalender (von den unzähligen deutschen Weihnachtsleckereien schweige ich besser, da würde ich schon beim Schreiben zunehmen, aber auch die gibt es hier seit einigen Jahren – die ganze Palette!). Ich bringe meinen Erstlingen in der Schule jedes Jahr einen Adventskalender mit, die Begeisterung ist groß und man kann davon ausgehen, dass mindestens die Hälfte der Klasse sich daraufhin auch einen für Zuhause kauft. Mit ihnen singe ich auch Weihnachtslieder bis zum Abwinken, solange sie jünger sind, singen sie auch noch alle mit, danach verliert sich, entwicklungsgemäß das Interesse für alles Kollektive, das von Erwachsenen eingeführt wird. Das ist überall dasselbe. Aber kürzlich hatte ich ein Erfolgserlebnis, ich habe mit einer ehemaligen Schülerin telefoniert, die inzwischen in Südtirol unterrichtet und die mir erzählte, dass sie die ganzen Fotokopien mit den Liedern herausgekramt und mit ihren Kids an der Schule dort singen will und ob ich noch mehr hätte….Ach ist das schön!

Nun, wie gesagt, an der „Immacolata“ wird der Weihnachtsbaum zuhause aufgestellt, man schmückt den Baum im Vorgarten mit Lichtern, man kauft Zusatzmaterial zur Erweiterung der Hauskrippe, es gibt sogar jährlich Wettbewerbe für die schönste Krippe. Einmal sah ich eine Ausstellung, in der alle Geschäftsleute aus Taviano (meine Adoptiv-Gemeinde) eine Krippe gebastelt und ausgestellt hatten. Es sollte eine Benefiz-Ausstellung werden. Der Bäcker buk also eine Krippe, der Kurzwarenhändler bastelte eine aus Knöpfen, aber ein wahres Wunderwerk war die Krippe des Friseurs, die aus Haarnadeln unglaublich kunstvoll gefertigt war.Weihnachten ist nah. Der Weihnachtsbaum wird auch nicht, wie bei uns, erst kurz vor Heiligabend, sondern just an der „Immacolata“ geschmückt und ab da auch abendlich angeschlossen (ich sage bewusst nicht „angezündet“ – Sie wissen inzwischen, warum!).

Der vorweihnachtliche Einkaufswahnsinn ist, glaube ich, inzwischen überall auf der Welt, selbst da, wo die christliche Religion eigentlich nicht das tägliche Leben bestimmt, derselbe. So auch hier in Süditalien. Verkaufsoffene Sonntage (mindestens 4 vor Weihnachten), gestresste Verkäufer und Verkäuferinnen, schreiende Kinder, die leider überallhin mitmüssen… Sie kennen das. Früher, traditionsgemäß, so erzählte mir vor vielen Jahren mein Vater, gab es zu Weihnachten eigentlich gar keine Geschenke. Das kam erst allmählich in den 60ger Jahren mit den Amis. Er konnte sich noch erinnern, dass ihm die „Befana“, die gute Fee, die am 06. Januar in Italien ihren Feiertag hat, die Geschenke brachte. War man lieb gewesen, gab es Zuckerzeug, ansonsten Kohle und einen Reisigbesen zum Versohlen. Merken Sie was? Genau! Die Befana ist die Frau des mitteleuropäischen Nikolaus! Sie kommt in Italien genau einen Monat nach ihrem Mann und beglückt die italienischen Kinder. Jetzt erklärt sich langsam vieles, nicht? Wenn es Weihnachten gar keine Geschenke gab, dann brauchte man sich auch nicht allzu sehr darauf zu freuen ( minus Adventskalender).Wenn es Weihnachten gar keine Geschenke gab, brauchte man auch keinen Baum aufzustellen, um sie darunter zu legen (minus Weihnachtsbaum, schon des Klimas wegen)!

Meine Tätigkeit als Stadtführerin hat mich auch darüber aufgeklärt, warum in Italien traditionsgemäß die Krippen in Häuser und Kirchen ihren Einzug hielten: Diese Tradition stammt vom Heiligen Franz von Assisi. Das ist der als Bettelmönch Abgebildete in brauner Kutte, oft von einem Wolf und von Vögeln umgeben. Er, der sich der Armut verschrieben hat, predigte, dass die Armut ein Zeichen Jesu sei. Um immer daran zu erinnern, sollen die Kirchen jährlich die Krippe, die Abbildung der ärmlichen Geburt Jesu, darstellen. Viele, sehr viele Kirchen, die dem Heiligen Franz von Assisi gewidmet sind, haben sogar permanente Krippen, die das ganze Jahr über in der Kirche ausgestellt und Teil von ihr sind.

Apropos Krippen: Das absolute jährliche Highlight hier im Salento ist aber die Tradition der „lebenden Krippe“, dem „presepe vivente“. Darunter können Sie sich nichts vorstellen? Ich will Sie mitnehmen, kommen Sie mit mir „Krippenlaufen“:

Ab dem 25. Dezember, wenn man in Deutschland schon fast wieder daran denkt, wann man alles Weihnachtszeugs wieder wegpacken kann, verschreiben sich die Salentiner für 2 Wochen während der Feiertage und Samstags und Sonntags entweder aktiv oder passiv dem „presepe vivente“. Kulisse ist entweder die Altstadt eines Dorfes oder eines auch größeren Ortes, in den letzten Jahren auch immer häufiger eine alte „Masseria“, also ein alter, oft nicht bewohnter Gutshof. Die „location“ wird umgewandelt in eine mittelalterliche Stadt. Die Bewohner, die an den Öffnungstagen während der 2 Wochen abends von 18 – 23 Uhr circa in die Gewänder ihrer Vorfahren schlüpfen, richten „ihre“ Bottega, also ihren Laden oder ihre Werkstatt liebevoll mittelalterlich her. Es werden alte, sehr alte Werkzeuge, Handarbeitsutensilien, Kochutensilien hervorgeholt und auf Hochglanz poliert. Dann wird all das alte Zeug für 2 Wochen wieder seinem ursprünglichen Gebrauchszweck zugeführt. Wichtig ist, dass alles schön alt aussieht, aber voll funktionstüchtig ist. Alte Webstühle, Spinnräder, sowie altes Zimmermannswerkzeug und Schmiedewerkzeuge werden während der Abendstunden dieser 2 Weihnachtswochen wieder benutzt. Es werden Kerzen aus Bienenwachs vor dem staunenden Publikum gefertigt, Öllämpchen geputzt und angezündet, es werden heiße Pittule (siehe November) mit allem möglichen darin ausgebacken und den frierenden (das ist natürlich meistens gespielt…) Besuchern gegen wenig Geld gereicht. Man kann dort Holzkohleofenbrot kaufen, auch die beliebten „Pucce“, Weißbrotbrötchen mit ganzen Oliven darin (müssen Sie unbedingt probieren, wenn Sie hier sind. Bitte auf die Olivenkerne achten, die werden in den "echten" Pucce nämlich drin gelassen). Es gibt auch „vino speziato“, die italienische Variante des Glühweins, der weniger süß ist, dafür um so gewürzter. Nicht ganz billig aber garantiert NICHT „made in China“ sind handgeklöppelte oder gewebte Tischdeckchen, bestickte Aussteuerware usw. Die Schauspieler schlüpfen nicht nur in ihre Rolle, nein sie kostümieren sich auch so. Man läuft durch eine Art geführtem Parcours durch’s Mittelalter. Die gesamte Kulisse ist wunderschön beleuchtet und das Ganze sieht absolut pittoresk aus und begeistert mich jedes Jahr auf’s Neue. Schon deshalb, weil wir uns jedes Jahr einen anderen Ort ansehen. Am Beginn des Parcours werden einige Euro Eintritt erhoben (auch nicht überall – kommt auf die Beteiligung der Gemeinde an) und dann geht’s los. Letztes Jahr standen wir 1 ½ Stunden an, um in den „presepe vivente“ der Stadt Tricase auf der adriatischen Seite des Salento zu kommen. Die Show war aber auch gigantisch. Man wurde begrüßt mit Kunstschnee, der, ich geb’s zu, nicht jedermanns Sache ist, der aber auf den Olivenbäumen am Hügel, der als Kulisse diente, sagenhaft aussah. Die Background-Musik dudelt vorwiegend auf Deutsch (O Tannenbaum, Oh du fröhliche, Stille Nacht, Kling Glöcken, Schneeflöckchen, Weiße Weihnacht usw.), sie klingt im Random-Verfahren die ganze Zeit durch die Nacht und verzückte alle Besucher, die sich so richtig „nach Weihnachten“ versetzt fühlen. Von unten am Hügel arbeiteten wir uns nach oben. Es gab mehrere Esel, die Wasser aus einem echten Brunnen förderten, das wiederum das Mühlrad antrieb, das ein kleines Windrad bewegte. Drumherum gemächliche Geschäftigkeit eines hiesigen Dorfes im Mittelalter in Kostümen. Es gab die Restaurations-Gasse in der Spezialitäten von Tricase aus alten Rezepten stammend, frisch zubereitet, angeboten wurden, es gab einen Schmied, der ununterbrochen Stücke schmiedete, die später (weiter hinten in der Hütte und vor aller Augen verborgen) zusammengeschweißt als Kunstschmiedestück verkauft wurden. Immer wieder kleine Weiden mit Kühen und vor allem Ziegen und Schafen, dazu eine Mini-Molkerei und frische Ziegen-Ricotta usw usw. Jetzt fragen Sie sich: Ok, nette Sache, aber was hat das mit „Krippe“ und „Weihnachten“ zu tun? Warten Sie’s ab, der Clou kommt erst noch.

Jeder Parcours in jeder Stadt oder Masseria oder wo immer er auch ist, hat einen Höhepunkt: „La Natalità“. Das, was man in Mitteleuropa eigentlich unter einer Krippe versteht: Einen alten Stall oder auch eine Grotte (einmal sogar in einer unterirdischen Ölmühle), in dem finden wir vor, was die Hirten vor über 2000 Jahren auf dem Feld von Bethlehem sahen: Das Christuskind, in einer Krippe liegend, umgeben von der Liebe seiner Mutter Maria und seines Vaters Josef. Der Stall wird gewärmt von einem Ochsen und einem Esel. Genauso und nicht anders finden Sie „la Natalità“. Es gibt in einer Ecke einen Ochsen und einen Esel, die blau gekleidete Maria sitzt auf einem Schemel und Josef steht meistens und stützt sich auf einen langen Stock. Zwischen Ihnen, in einer Futterkrippe, warm eingemummelt, liegt das Christuskind. Echt! Alles 100%ig echt! Auch das Baby!

Letztes Jahr war es an dem Abend, an dem wir der Heiligen Familie unseren Besuch abstatteten, besonders kalt und wir sahen, dass man den Kleinen in eine Heizdecke gewickelt hatte und das Kabel unter dem ausgelegten Stroh nach hinten gelegt und angeschlossen hatte.

Ab und zu kommt der Besucherstrom auch vollkommen zum Stehen und nichts geht mehr. Das ist dann, wenn die „Natalità“ kurz geschlossen wird, damit das Christuskind gewickelt und gestillt werden kann. In der Masseria, die wir vor 2 Jahren besucht haben, wurde die „Natalità“ nicht geschlossen, sondern das Christuskind war kurz mal abwesend. Ein Schild an der Futterkrippe besagte „Gesù viene cambiato“ (Jesus wird gerade gewickelt). Vor mehreren Jahren sahen wir gerade dem Vertauschen der Jesusse zu: Das echte Baby wurde weggebracht und eine Puppe an seinerstatt in die Krippe gelegt, mit dem Hinweis „Gesù fa la sua poppata“ – frei übersetzt mit „der echte Jesus ist gerade an der Milchbar“. Da sag’ noch einer, die Italiener verstünden es nicht, Weihnachten zu feiern….

Zugegeben, nicht so wie die Mitteleuropäer. Aber es wäre ja auch furchtbar langweilig, wenn’s überall gleich wäre, nicht?

Ich kann mich noch an Weihnachten 2006 erinnern, damals sahen wir zufällig ein übergroßes Plakat am Brückenpfeiler kleben: „Presepe vivente a Neviano“. Ha! Dort waren wir noch nie gewesen. Also am 26. Dezember auf nach Neviano. Die übliche Schlange vor dem Eingang, aber danach nie Gesehenes: Die gesamte Altstadt des Dorfes verwandelt in Jerusalem! Es gab die Färbergasse, in der wirklich gefärbt wurde, die Tempelanlage mit den Pharisäern und Händlern, der der Statthalter von Jerusalem, der in seinem Palast samt seines Harems herumlag, ein römisches Legionärslager usw. Und während in der Stadt das Leben tobte, wurde in der Höhle unter der Stadt allabendlich das Jesuskind geboren und in die Krippe gelegt.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch Weihnachten ist man, wie jedes Jahr, nach einer Woche ziemlich überdrüssig. Allerdings lässt man sich il „Cenone di Capodanno“ nicht entgehen. Mit Cenone ist das Mega-Sylvester-Abendessen gemeint (das Suffix „-one“ macht im Italienischen aus etwas mit normalen Dimensionen etwas Gigantisches – „Bambinone“ – ein großes Kind, „macchinona“ – ein großes Auto usw.) und hier trifft „Mega“ durchaus zu : Das Sylvester-Menü übersteigt selbst noch ein Hochzeitsbankett oder kann zumindest locker mithalten. Wenn Sie meinen, es würde um 19Uhr fürstlich gespeist und ab 22 Uhr ins Neue Jahr getanzt, so muss ich Sie leider enttäuschen. Die Salentiner essen entweder oder sie tanzen. Beides kurz hintereinander geht gar nicht. Meistens ist auch für ein lustiges Unterhaltungsprogramm gesorgt, etwa wie in Deutschland beim Karneval, Sänger singen ohne Rücksicht auf Verluste bis ins Neue Jahr, aber Tanzen….nein. Habe ich zumindest noch nicht gesehen. Für dieses gesellschaftliche Ereignis in den zahlreichen sehr großen Restaurants am Platze muss man oft auch tief in die Tasche greifen. Die Damen sowieso, denn ohne vorherige neue Rundum-Ausstattung von der Unterwäsche bis zum kleinen Schwarzen, knapp aber teuer, über Friseurbesuch mit Schminkservice geht Frau nicht aus dem Haus. Zum Friseur kann man hier auch noch um 21 Uhr gehen, wenn man frühzeitig gebucht hat. Alle Friseure arbeiten an Sylvester sehr lange. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen. Apropos Unterwäsche: Glauben Sie nicht, ich hätte das nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Nein, die Unterwäsche, ach, ich sage doch besser Dessous, das wirkt anrüchiger, die man an Sylvester zum Rutsch vom alten ins neue Jahr trägt, muss auf jeden Fall rot sein. Das bringt Glück. Wenn Sie mich fragen, nur so eine Erfindung der Dessous-Industrie, denn keiner weiß, woher das eigentlich kommt. Aber es funktioniert. Zu Weihnachten bekommt die Jugend von den jeweiligen momentanen Partnern auf alle Fälle rote Reizwäsche geschenkt. Sowohl Männlein, als auch Weiblein, wohlgemerkt.

Zum Cenone geht man möglichst mit vielen Freunden, vorbestellen ist absolut notwendig, Kurzentschlossene haben immer schlechte Karten. Und wer nicht zu einem Cenone geht, der kann gegen 23 Uhr noch hinaus in die Kälte (ca. 10Grad, aber es war auch schon kälter…) auf die Piazza der Stadt. In den meisten größeren Städten steppt der Bär trotz polarer Temperaturen draußen. Lokale Pizzica-Gruppen mit Lokalmatadoren, die für gute Stimmung sorgen bringen Piazze und Strassen zum Kochen. Die Italiener lassen sich auch jedes Jahr ihr Feuerwerk einiges kosten. Da kann man noch so sehr von Krise sprechen, etwas geht immer: „I fuochi“. Wie Sie als Mitteleuropäer das kennen, werden die Feuerwerkskörper ganz legal kurz nach Weihnachten in den Fachgeschäften und ausgewiesenen Supermärkten verkauft. Der Absatz ist, zumindest hier im Süden, auf den offiziellen Beschaffungspfaden jedoch schleppend. Viel besser laufen die „abusivi“ – die, die ohne Lizenz das Knallerzeug verkaufen. Jährlich ab Oktober haben die „Finanzieri“ – die italienische Finanzpolizei - Lokaltermin bei den vielen illegalen Feuerwerksbauern. Besonders verwerflich an der illegalen Produktion ist, dass sie heimlich in Tiefgaragen und Wohnungen getätigt wird. In der Vergangenheit sind nicht selten ganze Wohnblöcke in die Luft geflogen und man wusste erst hinterher, weshalb. Einer der Bewohner fabrizierte illegal Feuerwerkskörper. Seit einigen Jahren ist der Boom der „abusivi“-Produzenten aber vorbei. Die chinesischen Feuerwerke drängen auf den heimischen Markt. Und mit den „Cinesi“ kann man ja, wie Sie wissen, nicht konkurrieren. Da aber auch die meisten Feuerwerksprodukte chinesischer Herkunft kein italienisches Gütezeichen aufweisen können beschlagnahmen die Finanzieri meistens ab Oktober/November unglaubliche Mengen, Tonnen und Aber-Tonnen von diesem Teufelszeug. Trotzdem gibt es in Italien noch Leute, die sich ohne Knallerei nicht einfach so freuen können. Jährlich verlieren mehrere Menschen, darunter auch immer Kinder, Augen, Finger, ja ganze Hände in der Sylvesternacht. Vor 2 Jahren, wenn ich mich recht erinnere, hat eine Kugel, die von irgendwoher von der Straße kam, einen Familienvater, der gerade mit Familie und Freunden zu Tisch im 2. Stock saß und den Korken knallen lassen wollte, von hinten mit einem glatten Nackenschuß getötet. Die Finanzieri tun im Vorfeld wirklich, was sie können, aber gegen solche Idiotie ist natürlich niemand gefeit.

Die restlichen Salentiner treffen sich meistens „al mare“ – nein, nicht was Sie denken, kein Baden ins Neue Jahr (lesen Sie dazu mal meine Sommerkapitel "die Italiener und das Meer"). Damit ist das Haus am Meer von irgendeinem Freund oder Verwandten gemeint. Das ist meistens geräumig genug, um die Hausparty zu beherbergen. Es wird gegessen (na klar), Tombola oder Karten oder andere lustige Gesellschaftsspiele gespielt, der Fernseher grölt nebenher und zu Mitternacht werden nach einem gebrüllten Countdown Sektkorken (auch hier ein Sinneswandel, immer öfter ist er secco oder sogar prosecco, pappiges Sprudelwasser ist out oder mindestens fährt man zweischienig!) und Knaller oder auch wertigeres Feuerwerk abgeschossen….Danach geht’s, je nach Alter und Unternehmungsgeist (oder ob man den ganzen Tag gearbeitet hat oder nicht) in die Discotheken, die ihre Pforten am Ersten des Neuen Jahres gegen 0.30 Uhr öffnen und in denen man bis in den frühen Morgen abtanzen kann.

Zum Mittagessen des ersten Tags im Jahr gibt es übrigens traditionsgemäß „lenticchie“ (sprechen Sie mir laut nach…LENTIKKIE – Sie erinnern sich an das Novemberkapitel – CCH = K), also Linsen, denn das verspricht Geld im Neuen Jahr.

Wenn Sie nun erwarten, dass ich Ihnen über den Panettone erzähle (sehen Sie, da haben wir das „one“ wieder – also „großes Brot“), dann muss ich Sie enttäuschen. Selbstverständlich sind die Supermercati hier voll von den pyramidenförmigen süßen Kuchen, aber die kommen aus Mailand. Mit der hiesigen Tradition hat der Panettone ungefähr soviel zu tun wie Sauerkraut! Aber gut, ich will mal nicht so sein. Ich verrate Ihnen, was mir meine Freundin Cinzia, eine mailändische Immigrantin verraten hat: Wenn Sie Ihre Freunde oder Familie in Deutschland dieses Jahr mal mit einem Panettone beglücken wollen, dann müssen Sie den Ritus aber schon ganz gewandt zelebrieren:

Also: Ungefähr 20 Minuten vor dem geplanten Verzehr stellt man den Panettone auf den Heizkörper (muss natürlich heiß sein!) Nach 20 Minuten kann man davon ausgehen, dass die enthaltene Butter (mein Gott, eine Cholesterinbombe, ja!) zerlaufen ist und der Panettone „Fäden zieht“. Dann erst öffnet man den Panettone vorsichtig, die Cellofanhülle MUSS intakt bleiben. Dann öffnet man das Tütchen mit dem Puderzucker und schüttet es in die Cellofanhülle mit dem Panettone. Dann schließt man die Cellofanhülle gut mit der Hand und beginnt auf und ab zu schütteln. Der Puderzucker soll sich so überall auf dem Panettone verteilen und – da warm – klebenbleiben. Erst dann aus der Hülle nehmen und aufschneiden! Schon allein das Zelebrieren sichert Ihnen Bewunderung! Und sehen Sie, genau wegen der enthaltenen Butter ist der Panettone auch keine hiesige Spezialität. Hier wird traditionsgemäß alles mit Olivenöl gemacht. Auch gebacken. Das mag Ihnen ungewohnt erscheinen, aber hier ist die Viehhaltung sehr rar gewesen und wenn, dann waren es Ziegen und Schafe, die dem Klima besser gewachsen sind. Panettone ist übrigens auch so ein Sammelbegriff, denn es gibt eigentlich zwei verschiedene Arten dieses Mailänder süßen Kuchens: Den Pandoro (die vorher beschriebene Pyramide, hoch und ohne kandierte Früchte oder Rosinen) und den Panettone (niedriger und gedungen, sieht aus wie ein aknekranker Lederhocker). Er enthält Rosinen und kandierte Früchte. Wenn Sie in Italien sind, können Sie sich die verschiedenen Sortierungen in den Supermärkten mal ansehen: Es gibt Panettone ohne kandierte Früchte mit Rosinen, ohne Rosinen mit kandierten Früchten oder auch statt dieser herkömmlichen Füllung mit Schoko-Soße oder Vanille-Soße oder anderem gefüllt. Letzteres ist aber wirklich kein echter Panettone mehr!

Den Abschluss der jährlichen Weihnachtskermes im Salento wie anderswo in Italien macht also die „Befana“ am 06.Januar. Sie ist alt, hässlich und man darf sie sich vorstellen wie unsere Hexe aus Hänsel und Gretel. In der Tat, sie soll die bösen Kinder ja auch mit dem Besen versohlen…Ihr werden Gedichte aufgesagt und es wird aufgezählt, wie oft man lieb und wie oft man böse gewesen ist. Genau wie bei uns mit dem Nikolaus – oder Knecht Ruprecht. Ausserdem hat eine neue Tradition an Befana Einzug gehalten. Frau bekommt hunderte von SMS (sind von den meisten Handyanbietern über Weihnachten gegen eine Forfait-Gebühr von 6 Euro gratis) in denen ihr, obwohl jung und schön, zu ihrem Namenstag oder Ehrentag gratuliert wird. Oder von den weiblichen Vertretern der italienischen Spezies an ihre Freundinnen, in denen zum jährlichen Besenreiten in der Nacht vom 05. auf den 06. Januar aufgerufen wird usw usw. Apopos SMS: Kein Mensch in Italien schreibt mehr Weihnachtskarten. Ehrlich gesagt, die Italiener waren noch nie „Brieffreunde“. Aber nun….ein Standard-SMS beglückt sogar Kunden und Lieferanten…es ist traurig, aber kurz!

Sie sehen, Süditalien ist wirklich was für Weihnachtsmuffel, denn man muss ja keine lebende Krippe besuchen oder Weihnachten und Sylvester im Kreise einer süditalienischen Familie verbringen. Aber würden Sie DAS verpassen wollen?

Und so wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit, Buon Natale e un Felice Anno Nuovo!

Claudia Litti