Samstag, 6. Juni 2009

Ostern im Salento


Ostern im Salento

Wenn in den deutschen Geschäften Schoko,- Porzellan,- Gips und wer-weiß-was-noch-alles-Hasen auftauchen, dann finden in Italien die Eier in jeder Größe und Aufmachung ihren Weg in die Regale. Der Osterhase, der die Ostereier im Korb auf dem Rücken trägt, das Osternest, dass die Kinder an Ostersonntag finden müssen, sind hier gänzlich unbekannt. Vor ein paar Jahren standen plötzlich auch hier Schokoosterhasen vor mir und ich hab’ mich nicht schlecht gewundert. Aber bei den Italienern war der Geschäftserfolg dieses ihnen gänzlich unbekannten Ostersymbols mäßig, ja sogar sehr lau. Schließlich war keine Überraschung in ihm!

Ja, DA liegt nämlich der italienische Hase im Pfeffer: Die italienischen Ostereier sind mit Überraschungen gefüllt. Und wenn Sie jetzt an das Übliche Überraschungsei der uns so bekannten Marke denken, liegen Sie, dimensionsmäßig gesehen, ziemlich daneben. Die italienischen Eier sind grösser, viel grösser! Also Eier mit ordentlichen Überraschungen beginnen bei einer Grösse von 25-30cm und enden bei 2mt! Die italienischen Pasticcieri haben Hochsaison. Will man seine Angebetene mit was wirklich Edlem überraschen, geht „MANN“ erst zum Juwelier und anschließend mit dem kleinen Paket zum Pasticciere seines Vertrauens. Da wird dem kleinen Etwas eine ganz besondere Verpackung verpasst: Das Osterei nämlich. JA, wirklich. Die Angebetene bekommt also kein konfektioniertes Ei „von der Stange“, sondern ein Unikat. Frau hofft natürlich, Unikat auch das Innere!!!

So teuer muss es natürlich nicht werden. Wenn man Kindern eine Freude machen will, sind gewisse Marken eine Garantie für kleine Spielfreuden im Innern. Selbst edle Haushaltswarengeschäfte stellen fertig konfektionierte Eier aus und der Inhalt variiert von einem Basetti-Topflappenset zum edlen Sommelierköfferchen.

Falls Sie in den Salento fahren, und nicht vorhaben, italienische Ostereier zu verschenken, könnten Sie an den vorösterlichen Riten interessiert sein. Wissen Sie, es hat etwas Schauriges, diese zahlreichen, vor allem abendlichen Prozessionen durch spärlich beleuchtete Straßen…Nachdem die Pappmaché-Figuren aus der Sakristei geholt, abgestaubt und hergerichtet wurden, trägt man die schmerzensreiche Madonna, viele verschiedene Heilige und Christus durch die Strassen. Das an sich wäre nur eine Prozession. Schaurig-schön wird sie durch die Tatsache, dass das ganze fast immer in den frühen Abendstunden (Achtung, gemeint ist der italienische Abend, also so ab 19.30 Uhr, Anm. die Autorin) geschieht und dass die Blasmusikgruppe, die die Prozession begleitet, klagende, um nicht zu sagen, jammernde Weisen spielt. Die Madonna oder Heiligen werden begleitet von Priester, Ministranten, Betenden. Jetzt werden Sie denken, ja ok, Betende ältere Frauen mit Kopftuch….weit gefehlt. Ostern ist die Zeit der Rückkehr in den Schoß der Kirche. Auch junge Menschen nehmen an den Prozessionen teil. Das hat vor allem hier im Süden mit den Confraternite, den Bruderschaften und - seit ca. einem Jahrhundert gibt es auch verschiedene Schwesternschaften - zu tun. Früher ein Zusammenschluss wie der der Zünfte oder Innungen, ist die Bruder- oder Schwesternschaft heute ein religiös-sozialer Zusammenschluss. Die neugeborenen Familienmitglieder werden einer Bruder- oder Schwesternschaft der Familie zugeordnet, registriert und der Jahresbeitrag wird, meist von den Grosseltern, bezahlt. Die Bruderschaft kümmert sich um seine Mitglieder, leistet Hilfestellung so gut es geht und verlangt dies auch für die anderen Mitglieder. Lange Zeit ersetzten diese Körperschaften soziale Pflichten, die heute dem Staat obliegen. Geblieben sind die Bruder- und Schwesternschaften als Art Verein, man hat seine Zunftkirche, seinen Heiligen und dessen Ehrentag, man nimmt an Prozessionen teil, bei wichtigen sozialen Ereignissen wie Kommunion, Firmung, Hochzeit usw. sind die „Cumpari und Cummari“ (so sagt man hauptsächlich zu den Paten, aber nicht nur) da und vor allem geben Brüder- und Schwesternschaften jedem Mitglied das letzte Geleit und das Grab wird von den eigenen Beiträgen von der Bruderschaft bezahlt.

Sie sehen, in Süditalien ist nicht nur die Familie wichtig. Selbstverständlich, wo der Staat zu lange Zeit abwesend war, müssen sich andere soziale Einrichtungen in gewisser Weise um das Wohl der Gemeinschaft kümmern. Das blieb der Familie aber nicht alleine überlassen. Oft höre ich während meiner Führungen, „ja, die Italiener, vor allem die Süditaliener, die haben ja riesige Familienverbände, die zusammenhalten.“ Nun, sagen wir, in einigen Fällen stimmt das durchaus. Sie können sich aber auch denken, dass bei zahlreichen Familienmitgliedern auch zahlreiche Interessen vertreten werden. Angeheiratete wollen vor allem die Schäfchen ihrer eigenen Familie ins Trockene bringen, weniger die der Familie des Ehegatten…ich kann ihnen sagen, was nach außen Friede, Freude, Eierkuchen scheint, ist keinesfalls immer friedlich und ohne Zoff. Wenn Sie auf Hochzeiten oder anderen Familienfeiern alle zusammen sehen, heißt das nicht, dass es nicht unterirdisch gewaltig brodelt. „Die Welt ist ein Dorf,“ sagen die Italiener, um auszudrücken, dass gewisse Dinge überall gleich sind….Ob Sie nun ein Geschwister haben oder 5…wenn Interessen im Spiel sind, können sich alle spinnefeind sein.

Die Bruder- und Schwesternschaften verlieren heute auch immer mehr Mitglieder. Zwar kommen regelmäßig neue nach (wenn auch hier stark abnehmend, denn die Geburtenrate in Süditalien ist erschreckend niedrig), aber wenn die jungen Leute dann das Nest verlassen, um außerhalb zu studieren, verlieren sie das Interesse an den heimischen Verbindungen und wenn sie jahrelang nicht zurückkommen, sogar ihren beruflichen Lebensweg woanders beginnen……dann addio Confraternita.

Wir waren bei den vorösterlichen Prozessionen und Riten:

Ab dem Wochenende des Palmsonntag kann man täglich und in fast allen Orten des Salento vorösterlichen Zelebrationen beiwohnen. Beispielsweise der Heilige Lazarus von Bethanien wird am Samstag vor dem Palmsonntag gefeiert. Ihm zu Ehren gibt es in Lecce einen großen Markt und die Spenden in früheren Zeiten dienten wieder einem sozialen Zweck, ist der Hl. Lazarus doch der Patron der Kranken. Die Spenden kamen also vor allem den Krankenhäusern zu Gute. Auf dem S. Lazarus-Markt gibt es noch heute alles mögliche zu kaufen. Vor allem aber die Palmgebinde, die am nächsten Tag, dem Palmsonntag, gesegnet werden sollen. Außer Palmen kann man Ölzweige kaufen, die denselben Zweck erfüllen. Übrigens war es früher üblich, dass junge Männer, die sich verloben wollten, nach Lecce, wo es den größten Lazarus-Markt gab, fuhren, um sich die Palmgebinde zu kaufen. Denn nachdem sie gesegnet wurden, bekam die Auserwählte das Palmgebinde sozusagen als Eheversprechen. Das ersetzte den Verlobungsring.

Nach Palmsonntag beginnt im Salento die Karwoche, hier „Settimana Santa“ genannt. Früher war die Karwoche heilig, daher der Name: Der Olivenbauer stieg nicht auf die Leiter, um die Zweige zu schneiden, der Zimmermann nahm keine Säge zur Hand usw. Die Woche galt der Besinnung, der Busse, der Vorbereitung auf Ostern. Die Kirchen gleichen einem Haus, in dem jemand gestorben ist. Alles Goldene wird verhüllt, Statuen werden abgenommen, der Altar leer geräumt. Am Mittwoch wird die Schmerzensreiche, die schwarz gekleidete Madonna auf ihren Marienaltar gehoben, man betet mit ihr. Am Gründonnerstag dagegen beginnt der Gang zu den „Sepolcri“: Alle Kirchen dekorieren ein improvisiertes Grab, in dem noch niemand liegt. Schalen mit im Dunkeln gekeimtem Getreide und deshalb weiß gekeimt (Farbe der Unschuld) steht rund um das Grab herum, man sollte möglichst 13 Kirchen besuchen, auf alle Fälle aber eine ungerade Zahl von Kirchen. Man betet den Rosenkranz und tut still Busse. Die Städte hören deshalb nicht auf, ihr geschäftiges Treiben fortzufahren, aber in den Kirchen ist es trotz der vielen Menschen still. Man sucht, selten in diesen Breitengraden, innere Einkehr. Man bewundert das Grab mit den vielen Blumen und pilgert von Kirche zu Kirche. Ostern ist für die südlichen Breiten, was Weihnachten in Mittel- und Nordeuropa.

Ich habe vorhin schon erwähnt, dass die Statuen aus Pappmachée zu den Osterfeierlichkeiten in den Prozessionen durch die Strassen getragen werden. Wenn Sie diese Figuren sehen, werden Sie nie glauben, dass sie aus Pappmachée sind. Die örtlichen Meister machen sie den Holzstatuen, die man aus Mitteleuropa kennt, täuschend ähnlich. Da sind wir auch schon beim lokalen Kunsthandwerk, der „Cartapesta“. Nein, nicht Pestpapier, „pestare“ bedeutet stampfen. Das Papier oder die Pappe wird gestampft um die richtige Konsistenz zu bekommen. Der Kern der Pappmachée-Figur ist ein Drahtgestell, das je nach Größe der Figur entsprechend verstärkt ist. Darum wird Stroh gewickelt, dieses gibt der Figur Form und Silhouette. Die in einem Mehlbrei eingeweichte Pappe dient nun zur Endform. Sie wird um das Stroh gepappt, geformt, Stofffalten der Kleider der Figur werden geformt usw. Die Figur trocknet und kann dann bemalt werden. Extremitäten wie Kopf, Hände und Füße sind der Einfachheit halber aus Ton. Mein persönlicher Favorit wäre irgendwann einmal eine „Natività“, eine Krippe aus Cartapesta von einem Meister…..die Figuren sind erstarrte barocke Herrlichkeiten. Natürlich auch nicht billig, aber auf alle Fälle etwas ganz Besonderes.

Viele der lebensgroßen Heiligenstatuen, die man in den zahlreichen Kirchen des Salento sieht, stammen übrigens aus dem 17. und 18. Jahrhundert und stehen alle noch wie damals.

Und so nähern wir uns dem Osterfest. Der Karfreitag ist hier übrigens kein Feiertag. Und wenn man bedenkt, wie wichtig das Osterfest für die Italiener ist, dann wundert das eigentlich. Aber während in den Straßen der Altstadt die Via Cucis, also der Kreuzweg absolviert wird, oft noch heute von reuigen jungen Männern, die ein echtes schweres Holzkreuz auf dem Rücken schleppen, barfuss laufen und sich mehrere Kilometer bis zur Kirche, sprich der Kreuzigungsstätte, schleppen, tobt in den Strassen daneben der Kaufrausch und der Konsumwahn. Ganze Familien strömen aus den Supermärkten, die Einkaufswagen voll mit „Colombe“, Tauben (der Osterversion des Panettone), Uova di Pasqua (Ostereiern) aller Größen, nicht zu vergessen, Spumante (süßer Sekt) und oben drauf l’agnello pasquale (das Osterlamm – ein halb sitzend, halb liegendes Lamm aus Marzipan – pasta di mandorla, das allein schon ein kleines Vermögen kostet, weil garantiert handgemacht). Das sind die notwendigen Accessoirs auf der Ostertafel!

Zurück zur Via Crucis. Ich war sehr erstaunt von der Innbrunst, mit der die Via Crucis begangen wird. Der Christus wird begleitet von Maria und Maria Magdalena und mehreren anderen Frauen, die ihm die Stirn wischen, ihm zu trinken anbieten. Männer bieten an, ihm das Kreuz abzunehmen. Und dazwischen die Römer, die immer wieder mit Peitschen zum Weitergehen drängen. Es ist, nachdem man das gesehen hat, nicht schwer, sich vorzustellen, dass Mel Gibson hier in Matera (1,5 gute Autostunden von Gallipoli entfernt) seinen Film „passion“ gedreht hat. Vor einigen Jahren, Ostern fiel damals auf Mitte März, war es am Karfreitagabend bitterkalt, Schneeflocken tanzten um die Szenerie. Der junge Mann, der den Christus darstellte, war tatsächlich barfuss und auch alle anderen Darsteller waren entweder ohne Socken, oder barfuss. Ich glaube, man kann den Italienern in vielen Fällen Oberflächlichkeit nachsagen, aber Ostern und die Osterbräuche begehen sie meines Erachtens mit echter Hingabe an die Sache. Der junge Mann wurde vor der Kirche „gekreuzigt“ (ans Kreuz festgebunden) und hing eine lange Stunde am Kreuz. Ich hab’ mich immer gefragt, wofür er wohl um Vergebung bittet, denn das war kein Exhibitionismus. Es waren kaum Leute da und es war wirklich sehr kalt. Das war etwas zwischen ihm und dem Allmächtigen, an den er zweifellos glaubte.

Die Nacht von Karfreitag auf Samstag ist für viele Süditaliener eine Nacht, in der Wache gehalten wird. Bei Rosenkranz und stillem Gebet wird in der Kirche ausgeharrt, draußen ziehen immer wieder Blaskapellen und Heiligenfiguren (meistens die schmerzensreiche Madonna) vorbei und klagen laut. DAS ist nun so ganz anders, als man es aus Mitteleuropa kennt. Man hört die Klageweiber von einst, man fühlt sich zurückversetzt in andere Zeiten, die Nacht tut ein Übriges.

Der Samstag dient der Vorbereitung. In allen Hütten und Palästen, um es mal mit Büchner zu sagen, brodelt und dampft es. Die Signore kneten den Teig für die Pasta, sie frittieren und braten, sie kochen „il sugo“ – ein Name für ein ganzes kulinarisches Himmelreich (für mich jedenfalls). Am Samstagnachmittag wird es still. Man tankt Kräfte für eine weitere Nacht. Und wenn es dunkel wird, dann raunt es durch die Strassen….der Herr wird auferstehen….der tote Christus (entweder richtig vom Kreuz abgenommen oder mitsamt dem Kreuz) wird liegend durch die Strassen der Altstadt getragen. Wieder begleitet von klagenden Frauen, schweigenden Männern und einer jammernden Blaskapelle. Dann aber, nach Mitternacht, passiert das Wunder: Der auferstandene Christus wird auf gerichtet, ein Strahlenkranz von Glühbirnen umleuchtet sein Haupt und die Blaskapelle spielt fröhliche Lieder, Hosianna-Gesänge und, jetzt das Schönste: Er begegnet auf der Strasse zu allererst seiner noch immer trauernden Mutter. Dieser wird flugs ein weißer Schleier umgehängt, als Zeichen ihres Glücksempfindens, ihren Sohn lebend zu sehen. Muss ich jetzt noch erklären, warum die Mutter-Sohn-Beziehung in Italien einfach anders ist?

Also gut. Sie können diesen populistischen, folkloristischen Zelebrationen zugeneigt sein oder nicht. Berühren tun sie auf alle Fälle, wenn man einmal dabei war.

Dagegen ist der Ostersonntag direkt langweilig. Das obligatorische Hochamt, findet meistens erst so gegen 12 Uhr statt (naja, nach SO einer Nacht…), der Kirchenchor, so es einen gibt, frohlockt und es ist wirklich feierlich, gegen 14 Uhr wird getafelt und danach lässt man den Tag individuell ausklingen: Kartenspielen, Verwandte und Freunde besuchen und Colomba, Uovo und Agnello mitbringend, und manchmal auch, sich für den morgigen Ostermontag organisieren.

Ostermontag. Pasquetta (kleines Ostern). Für die süditalienische Natur DAS Horrorszenario schlechthin. Der programmierte Umwelt-GAU. Jeden Ostermontag begeben sich Scharen von Cliquen und Familien, Freunden und Verwandten zum Picknick vor die Haustür. Damit ist ein Park gemeint, ein Wald, in unserem Fall hier ist es auf alle Fälle der erste offizielle Ausflug ans Meer oder ans Haus ans Meer, ich erwähnte es in meinem März-Bericht. Die Lebensmittelläden und Supermärkte sind den ganzen Vormittag geöffnet, damit die Nachzügler (und derer gibt es viele) auch noch einkaufen können. Wenn Sie jetzt denken, dass es sich um ein herkömmliches Picknick mit einem bisschen Brot und Aufschnitt handelt, vielleicht ein paar Würste, fertigem Salat oder so etwas Ähnlichem…na, das ist nur die Vorspeise. Es gibt, je nach Ausdehnung und wer vorbereitet hat von Pasta al Forno (Lasagne oder andere überbackene Köstlichkeiten) zum Braten, schön warm gehalten in Wolldecken, so ziemlich alles was das Herz, pardon der Magen sich wünschen kann. Und dann fährt man mit Sack und Pack zum ausgesuchten Picknick-Ort. Dass dort schon andere zig „Comitive“ – Cliquen weilen und speisen – Nebensache. Man sucht schließlich nicht die Einsamkeit. Sondern nur das Beisammensein in der Natur. Leider ist die Natur davon nicht so begeistert. Denn die Hinterlassenschaften des heuschreckenartigen Einfalls der Menschen hierzulande am Ostermontag sind in den Pinienwäldern, Stränden und Parks noch lange sichtbar…

Es ist unnötig, darüber urteilen zu wollen. Es ist eine Mentalitätsfrage. Die Süditaliener sind zwar stolz auf ihre Landschaft, auf das Meer, aber dieselben sauber zu halten gehört einfach nicht zu ihren Aufgaben. Darum soll sich jemand anderer kümmern. Logische Einwände gelten nicht. Oder besser, sie gelten schon, nur nicht für den jeweiligen Dialogspartner. Vor der eigenen Haustüre ist es mit der Sauberkeit der Italiener vorbei. Die halbherzigen Kampagnen bezüglich des Umweltschutzes und des Erhalts der natürlichen Schönheiten „reden den Menschen hier nach dem Maul“, will heißen, sie bewirken nicht wirklich etwas. Und wer da zu sehr bohrt, macht sich unbeliebt. Viele kleine Komunen haben inzwischen beschlossen, die Mülltrennung einzuführen. Nicht etwa mit dem Argument des Umweltschutzes, des Recyclings kann man hier argumentieren – nein, das Durchsetzen dieses „neuen“ Phänomens verdankt die Umwelt ihrer Wirtschaftlichkeit. Es ist einfach billiger. Und damit waren die Gemeinderäte schnell überzeugt. Die eigenen Bürger brauchen da etwas länger….Immer noch lächle ich bitter, wenn ich nach Hause fahre und die großen Müllcontainer, die längs der Strasse am Meer stehen, weil sich dort die Mülltrennung schon wegen der wenigen Einwohner nicht lohnt, voll sind. Alle haben beim Sonntagsspaziergang ans Meer gleich schon mal bequemerweise ihre Mülltüte zum Entsorgen hierher gebracht….Freunde und Bekannte trösten mich: „Wir brauchen einfach länger. Wir sind da nicht so wie ihr Deutschen. Es ist schrecklich, aber es ist so.“ Italienischer Fatalismus. Bleibt einem nur, mit den Schultern zu zucken. Pazienza – Geduld.

Die letzten Jahre zeigen übrigens eine Veränderung in der Tradition. Man organisiert das Ostermontags-Picknick lieber im Haus am Meer. Da wurde in den vergangenen Wochen und Tagen schon Frühjahrsputz betrieben (März-Bericht) und nun können die weiten Flügeltüren geöffnet werden, Tische werden aneinander gereiht und es kann los gehen mit dem Getafel. Meist steckt dem Haus der Winter noch in den Knochen, besser in den Wänden und es ist unangenehm kühl, aber das tut der Picknicklaune keinen Abbruch.

Dieser Ostermontag war übrigens total verregnet. Das hat der Natur richtig gut getan…! Auch wenn das obligatorische Picknick dafür am ersten Mai nachgeholt wurde.

Eine weitere Brücke im April ergibt sich am 25. des Monats. An diesem Tag wird in Italien das Ende des Faschismus und die Befreiung des Landes von ebendiesem gefeiert. Dabei gelten besonders die „Partigiani“, die italienischen Widerstandskämpfer, die noch immer mit ihren 80 und mehr Jahren bei den Paraden mit marschieren und sich feiern lassen als Volkshelden. Weniger feierlich, dafür um so volksnaher, gibt sich dieser Tag im Süden am Meer. Während Politiker und weitere Würdenträger Reden und endlose Paraden in Schlips und Kragen über sich ergehen lassen müssen, zieht es die Süditaliener ans Meer. Mal sehen, wie warm das Wasser schon ist, ein erstes, zaghaftes „grosser-Zeh-Bad“ gehören zum 25. April wie die Partigiani.

Und so geht der April ins Land. Inzwischen blüht alles. Das Land ist so grün, dass das Auge die vielen Nuancen nicht mehr unterscheiden kann. Man sollte diesen Anblick genießen. Er wird nicht lange dauern. Denn schon in einem Monat kann es so heiß sein, dass die grünen Wiesen und Felder gelb werden und dann braun….

Lesen Sie bald: Der Mai ist gekommen….und das Hochzeitsbusiness in Süditalien…Ausserdem: Tag der offenen Palazzo-Höfe in Lecce…

Kommentare:

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